Wo die Luft dünn wird

High Altitude Truck Expedition in den chilenischen Anden

Höchster aktiver Vulkan der Erde, höchster Gipfel in Chile, zweithöchster Gipfel Südamerikas – der Ojos del Salado ist ein Berg der Superlative. Jüngst war er Schauplatz eines weiteren Rekords: Ein Expeditionsteam um den Extremsportler Matthias Jeschke errichtete auf 6.100 Metern die höchstgelegene Schutzhütte der Welt. Möglich machten dies unter anderem zwei Rheinmetall MAN HX Lastkraftwagen.

Der eisige Wind weht erbarmungslos über die dunklen Flächen aus Sand und Vulkangestein, die an eine Mondlandschaft erinnern. Unerbittlich türmt sich das sogenannte Büßereis – spitze Schnee- und Eispyramiden – meterhoch auf und macht das weitere Vorankommen nahezu unmöglich. Auf mehr als 6.000 Metern über Meereshöhe schweift der Blick in die endlosen Weiten der umliegenden Atacama-Wüste. Die dünne Höhenluft macht jede Bewegung zu einer enormen Anstrengung. Kurzum: Die harten klimatischen Bedingungen machen den Ojos del Salado an der Grenze zwischen Chile und Argentinien zu einer echten Herausforderung für jeden Bergsteiger. Davon weiß auch Matthias Jeschke zu berichten. Der Offroad-Experte und Expeditionsleiter startete Anfang November 2017 mit einem 14-köpfigen Team in die Rheinmetall MAN High Altitude Truck Expedition. Das Ziel des Projekts war der höchste noch aktive Vulkan der Welt. 

Auf dem Ojos del Salado wollte das Expeditionsteam zum einen die höchstgelegene Schutzhütte der Welt errichten, zum anderen einen neuen Höhenrekord für Fahrzeuge aufstellen und die bisherige Bestmarke von 6.675 Metern, ebenfalls gehalten von Matthias Jeschke, knacken. Den logistischen Part der Expedition übernahmen zwei Trucks der Modelle Rheinmetall MAN 40M 4x4 und Rheinmetall MAN HX 58 6x6. Wegen ihrer robusten Bauweise und Leistungsfähigkeit waren die allradgetriebenen Fahrzeuge die ideale Wahl für das Unterfangen.

„Schutzhütte der Freundschaft“

Gut drei Wochen nach dem Beginn der Expedition war der erste Weltrekord geschafft. Auf 6.100 Metern hatte das Team mit dem „Refugio Amistad“ die höchstgelegene Schutzhütte der Welt gebaut. Der Name dieser „Schutzhütte der Freundschaft“ ist eine Hommage an die Vielfalt der Expeditionsgruppe, deren Mitglieder aus fünf verschiedenen Nationen stammten und während ihres Aufenthalts in Chile zu internationalen Freunden geworden sind. Dazu gehörten auch die beiden Militärveteranen Paul Warren aus Australien und Chris Bailey aus Großbritannien. Mit ihrer Teilnahme unterstützten sie Veteranenorganisationen in ihren Ländern und wollten zeigen, dass auch Kriegsversehrte Außergewöhnliches leisten können. „Unsere erlittenen Verwundungen sollen uns nie davon abhalten, ehrgeizige Ziele anzustreben. Mir ist wichtig, dass unsere Leistungen im Vordergrund stehen, nicht unsere Einschränkungen“, sagt Paul Warren. „Ich bin sehr stolz darauf, dass ich Teil dieser Expedition sein durfte und wir in großer Höhe dauerhafte Einrichtungen geschaffen haben, die Menschenleben retten können.“ 

Die Errichtung des Refugio Amistad dauerte zwei Tage und erwies sich als besonders kräftezehrendes Unterfangen. Denn die Teammitglieder mussten sämtliche Hüttenbauteile, das benötigte Werkzeug und das gesamte Equipment für den Aufenthalt in der Höhe nach dem Abladen noch über eine Zwischenanhöhe tragen, da der direkte Zugang zu dem Hochplateau durch Felsen und Büßereis versperrt war. 

Retter in der Not

Bereits auf dem Weg zum geplanten Standort der Hütte war es zu Verzögerungen gekommen. Die Expeditionsteilnehmer hatten fünf russische Bergsteiger gerettet, die beim Versuch, das Höhenlager Tejos auf 5.850 Metern Höhe zu erreichen, auf einem Sandfeld die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren hatten. Das Fahrzeug rutschte in Richtung Abhang und blieb quer zur Fahrrinne liegen – das rechte Vorderrad bereits über dem Abgrund. Der leistungsstarke HX 58 erwies sich als Retter in der Not und konnte das Fahrzeug glücklicherweise bergen. Einige Tage zuvor hatte das Team von Matthias Jeschke die Vorbereitungen für den Bau des Refugio Amistad schon einmal unterbrechen müssen, weil ein Bergsteiger im Höhenlager Atacama seine beiden Mitstreiter, die sich auf den Weg zum Gipfel befanden, als vermisst gemeldet hatte. Daraufhin machte sich ein siebenköpfiger Trupp mit dem HX 58 auf die Suche, fand die beiden Bergsteiger auf einer Höhe von etwa 5.900 Metern und brachte sie in das 700 Meter tiefer gelegene Höhenlager Atacama zurück. 

Dort errichtete das Team mit der tatkräftigen Unterstützung zahlreicher einheimischer Bergsteiger Anfang Dezember eine weitere Schutzhütte, das „Refugio Apacheta“. „Mit den beiden Schutzhütten haben wir für eine neue Qualität der Sicherheit am Ojos del Salado gesorgt“, betont Matthias Jeschke. „Viele Bergsteiger werden sie künftig als sichere Zufluchtsorte in unwirtlichem Gelände zu schätzen wissen.“

Felsbarriere zwingt zur Umkehr

In Anbetracht des erfolgreichen Baus der Schutzhütten und der Rettung mehrerer Bergsteiger aus bedrohlichen Situationen war es für die Expeditionsteilnehmer etwas leichter zu verkraften, dass sie ein Ziel nicht verwirklichen konnten. Die widrigen Witterungsverhältnisse und eine unüberwindbare Felsbarriere setzten dem Vorhaben, den höchsten für Fahrzeuge zugänglichen Punkt der Erde zu erreichen, ein jähes Ende. „Die Umfahrungsversuche forderten von jedem von uns vollen Einsatz bis zur totalen Erschöpfung“, erzählt Matthias Jeschke. „Die teils mehrere hundert Kilogramm schweren Felsbrocken zu beseitigen und zu versuchen, eine Fahrtrasse in das meterdicke Büßereis zu brechen, hat Mensch und Material alles abverlangt.“ Auf rund 6.150 Metern Höhe musste das Team schließlich umkehren und den Rückweg in das nächstgelegene Höhenlager antreten. „Auch wenn es dieses Mal mit dem Rekord nicht geklappt hat, möchte ich mich für die großartige Unterstützung der Sponsoren bedanken“, so Matthias Jeschke. „Sie haben immer an das Projekt geglaubt und die Expedition erst ermöglicht.“ Und eines steht fest: Der neue Höhenweltrekord ist aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Matthias Jeschke steckt bereits mitten in den Planungen für einen weiteren Versuch. 

Rheinmetall MAN Military Vehicles

Die wichtigsten Leistungsdaten der eingesetzten Trucks

HX 4x4:

  • D08-36 LFG 51
  • Euro 5
  • Reihensechszylinder mit 6,9 l Hubraum
  • 340 PS
  • Max. Drehmoment: 1.250 Nm @ 1.200–1.800 rpm

 

HX 6x6:

  • D20-66 LF 34
  • Euro 4
  • Reihensechszylinder mit 10,5 l Hubraum
  • 440 PS
  • Max. Drehmoment: 2.100 Nm @ 1.000–1.400 rpm

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