Wo der Sound entsteht

Der Motorblock des Porsche 911 GT 3

Er ist die Sportwagen-Ikone schlechthin. Allein beim Namen „Porsche 911“ geraten nicht nur Sportwagen-Enthusiasten ins Schwärmen. Um den Wagen hat sich in den 55 Jahren seiner Existenz eine verschworene Fangemeinde entwickelt, deren innige Begeisterung der Chefredakteur der „Welt“ und Porschekenner Ulf Poschardt einmal mit dem Begriff „zivilreligiöses Elfertum“ umschrieb.

Die Zuffenhausener haben es immer verstanden, die Legende des von der Form her nach wie vor unverwechselbaren Sportwagens durch immer neue Varianten und Motorisierungen konsequent weiterzuschreiben, ganz im Sinne klassischer Komponisten, die nach dem Motto „Tema con Variazioni“ ein musikalisches Grundmotiv durch veränderte Fassungen immer wieder neu mit Leben erfüllen. Eine dieser sprichwörtlich sehr lebendigen Varianten ist der Porsche 911 GT 3. Der Wagen mit einem Einstiegspreis jenseits von 150.000 Euro hat zwar eine Straßenzulassung, aber er liebt die Rennstrecke wie der Bär den Honig. Der Motorblock für das in 3,9 Sekunden auf 100 km/h beschleunigende Geschoss wird bei der KS HUAYU AluTech GmbH in Neckarsulm gegossen und durchläuft im Verlaufe seiner Entstehung gleich mehrere Bearbeitungsstadien. Das schließt sogar einen Ausflug nach Hannover-Langenhagen zur HUAYU Bearbeitungs GmbH zum Zwecke der Fertigbearbeitung ein. Das Ergebnis: 500 PS oder 368 Kilowatt, die für sich sprechen und den Wagen auf rund 320 km/h Höchstgeschwindigkeit vorantreiben.

Schon lange mit Porsche verbunden

Der Unterländer Spezialist für Motorblöcke aus Aluminium kann auf eine lange gemeinsame Historie mit dem schwäbischen Sportwagenbauer zurückblicken. Bereits bei den Zylinderkurbelgehäusen für die Vorgänger 996 und 997 vertrauten die Porsche-Ingenieure auf die Aluminiumkompetenz aus Neckarsulm.      

Der aktuelle Boxer-Motorblock des Porsche 911 GT 3 und auch des taufrischen 911 GT 3 RS ist durchaus mit denen seiner übrigen Familienangehörigen vergleichbar. Auch in der mittlerweile zweiten Generation der 991er-Familie steckt zunächst einmal ein dem sogenannten 9A1-Aggregat vergleichbarer Grundmotor. Von der Serie unterscheiden ihn ein geänderter Wassermantel, die speziell für Hochleistungsanforderungen ausgelegten Bauteile sowie eine veränderte mechanische Erstbearbeitung.

ALUSIL HAT GANZ BESONDERE EIGENSCHAFTEN WIE FESTIGKEIT, DEHNUNGSVERHALTEN ODER WÄRMELEITFÄHIGKEIT

In der ersten Modellgeneration bestand das Zylinderkurbelgehäuse allein aus Alusil – aufgrund der besonderen Eigenschaften des Werkstoffs wie Festigkeit, Dehnungsverhalten und Wärmeleitfähigkeit. In der seit dem vergangenen Jahr gelieferten zweiten Generation erhält es eine zusätzliche RSW-Beschichtung (RSW = Rotating Single Wire). Dabei wird im Anschluss an die erste mechanische Bearbeitung, aus der der Block rund ein Kilogramm leichter hervorgeht als seine Brüder in Carrera, GTS oder Turbo, durch ein Plasma-Spezialverfahren eine Beschichtung auf die Laufflächen aufgesprüht.

Enorm hartes Material

Dazu musste bei KS HUAYU im Vorfeld zunächst einmal eine klare Prozesssicherheit des Beschichtungsvorgangs erzielt werden. Für die Entwickler erwies sich der hierbei notwendige Aufrauprozess der Alusillaufflächen vor der Beschichtung aufgrund der enormen Härte des wärmebehandelten Materials als nicht ganz trivial. Darüber hinaus musste eine neue Bearbeitungstechnologie für die Kurbelwellenbohrung entwickelt und umgesetzt werden. Danach geht es für die Blöcke in den Norden. Am Standort Langenhagen erfolgen schließlich die letzten Arbeitsschritte, die Endbearbeitung der Laufflächen und die Fertigbearbeitung des Blocks. Dr. Christian Klimesch, Entwicklungsleiter bei KS HUAYU: „Wir schätzen die Zusammenarbeit mit unseren Kollegen aus Hannover, zumal hier ein sehr entscheidender Prozessschritt erfolgt.“ In Hannover hat man nicht nur aus der Vergangenheit Erfahrung mit dem Thema. Dort werden analog auch die Blöcke des schnellsten Serienporsche, des 911 GT 2 RS, fertigbearbeitet. Alles in allem viel Aufwand, der sich aber am Ende lohnt, wie sicher nicht nur die 911er-Fangemeinde bestätigen wird.