Wie grün ist unser Strom?

Erneuerbare Energien weltweit auf Wachstumskurs

Elektromotoren sind effizient und alleine dadurch nachhaltig, keine Frage. Doch natürlich spielt es eine Rolle, ob der Strom zum Aufladen aus erneuerbaren Energiequellen oder aus dem Braunkohlekraftwerk kommt. Heartbeat stellt daher die Frage: Wo kommt die Elektrizität für E-Autos eigentlich her?

Erneuerbare Energien – oder auch „Renewables“ – sind auf dem Vormarsch. In Deutschland erzeugten Windkraft-, Solar-, Wasserkraft- und Biomasseanlagen im Jahr 2014 zusammen 162.500 Gigawattstunden (GWh) Strom. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es gerade mal 36.000 GWh. Damit lag 2014 ihr Anteil an der Stromerzeugung bei rund 27 Prozent. Kohle bleibt zwar mit über 40 Prozent der wichtigste Energieträger in Deutschland, doch die „Renewables“ sind dem fossilen Energieträger auf den Fersen: Im Jahr 2015 lag ihr Anteil bereits bei rund 30 Prozent. Interessant ist auch ein Blick in die genauere Zusammensetzung der Erneuerbaren: Steuerten im Jahr 2000 die Wasserkraftwerke noch fast 22.000 GWh und somit knapp zwei Drittel bei, waren es 2014 mit knapp 20.000 GWh nur noch rund 13 Prozent. Heute ist Windenergie der bedeutendste erneuerbare Energieträger: Zur Jahrtausendwende wurden 9.500 GWh mittels Windkraft erzeugt, 2014 waren es fast 56.000 GWh und damit mehr als ein Drittel bei den erneuerbaren Energien. Das größte relative Wachstum hingegen verzeichnete in den vergangenen 15 Jahren die Solarenergie. Im Jahr 2000 produzierten die in Deutschland installierten Panels gerade einmal 60 GWh. 2014 waren es schon über 36.000 GWh, also das 600-fache. 

Wasserkraft weltweit Nummer drei

Mit rund 30 Prozent Anteil an der Bruttostromerzeugung ist Deutschland unter den Industrienationen ein Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien. Andere Nationen sind allerdings schon weiter: Norwegen beispielsweise produziert trotz zahlreicher Öl- und Gasfelder seinen Strom zu über 97 Prozent nachhaltig. Auch weitere Länder liegen hier bei einer Quote von fast 100 Prozent: zum Beispiel Albanien, Äthiopien oder Paraguay. Wenn man in diesen Fällen von erneuerbaren Energien spricht, ist fast immer von Wasserkraft die Rede. Global gesehen ist die Hydroenergie mit einem Anteil von rund 16 Prozent aktuell nicht nur die unbestrittene Nummer eins bei den „Renewables“, sondern der drittwichtigste Energieträger in der Stromproduktion überhaupt. Nur aus Kohle und Erdgas wird weltweit mehr Elektrizität erzeugt. Auch Solarkraft und Windenergie nehmen an Bedeutung zu: Die sonstigen erneuerbaren Energien tragen zusammen ungefähr zu fünf Prozent zur weltweiten Stromerzeugung bei – Tendenz steigend.

HYDROENERGIE IST MIT EINEM ANTEIL VON RUND 16 PROZENT DER DRITTWICHTIGSTE ENERGIETRÄGER IN DER STROMPRODUKTION ÜBERHAUPT

China ist größter Strommarkt

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick nach China. Das Reich der Mitte ist mit einer Erzeugung von über 5.500 Terawattstunden (TWh) pro Jahr inzwischen der größte Stromproduzent der Welt. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag die Bruttostromerzeugung noch bei 1.368 TWh. Die rasant steigende Nachfrage nach elektrischer Energie konnte nur durch einen massiven Ausbau von Kohlekraftwerken bewältigt werden. Der Hunger nach Kohle wuchs in den vergangenen Jahren dementsprechend: 2000 wurden 679 Mio. Tonnen Öläquivalent verbraucht, 2013 schon 1,62 Milliarden. In absehbarer Zeit wird Kohle der wichtigste Energieträger in China bleiben, doch auch der dortige Strommarkt ist in Bewegung. 2007 erreichte der Anteil des fossilen Brennstoffs an der Bruttostromerzeugung seinen Höhepunkt und sinkt seitdem langsam, von 81 Prozent auf inzwischen 78 Prozent. Seit 2014 stagniert der Kohleverbrauch in China auch in absoluten Zahlen. Das ist zum einen auf die etwas abkühlende Konjunktur zurückzuführen, aber eben auch auf den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien. Das asiatische Riesenreich hat im vergangenen Jahrzehnt gewaltige Anstrengungen in Sachen „ Renewables“ unternommen: Die installierte Leistung in China liegt heute bei 378 GW, mehr als irgendwo anders auf der Welt. Die Wasserkraft trug zur Gesamt-Bruttostromerzeugung zuletzt über 1.000 TWh bei, also knapp 20 Prozent.

Windkraft auf der Überholspur

Noch stärker als die Wasserwerke wurde in China die Windkraft in den vergangenen zehn Jahren ausgebaut. Hier wuchs die installierte Kapazität alleine im Jahr 2015 um über 30 GW, sie erreichte damit stolze 145 GW. 2005 lag die installierte Leistung aller Windkraftwerke in China bei lediglich 1,2 GW. Inzwischen wird durch Windkraft bereits mehr Strom produziert als in den Atomkraftwerken des Landes: 2015 waren es 186 TWh, das entspricht 3,3 Prozent der Stromgesamtproduktion. Der Windkraft kommt eine Schlüsselrolle beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien zu: 2020 soll die installierte Leistung bereits bei 350 GW liegen.

WENN DER GRÖSSTE STROMMARKT DER WELT DIE HERAUSFORDERUNGEN DER ENERGIEWENDE MEISTERT, DANN SCHAFFEN ES AUCH DIE ANDEREN

Daneben erweitert Peking auch konsequent die Energiekapazitäten von Solarenergie und Biomasse. Wenn China die erneuerbaren Energien weiter in diesem Tempo ausbaut, sehen viele Experten gute Chancen, dass die Energiewende nachhaltig gelingen wird. Für den Rest der Welt gilt: Wenn der größte Strommarkt der Erde die Herausforderungen der Energiewende meistert, dann schaffen es auch die anderen. Das wiederum könnte auch der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen – denn nur wenn Strom nachhaltig produziert wird, ist das Fahren mit Elektrofahrzeugen auch wirklich „grün“.