Westliche Kunst begeistert

Ausstellung „Deutschland 8“ in Peking

Mehr als 650.000 Besucher in nur sechs Wochen: Die Pekinger Ausstellung deutscher Gegenwartskunst erfuhr eine riesige Resonanz. „Deutschland 8“ zeigte im vergangenen Herbst 320 Werke von 55 Künstlern und dokumentierte die Vielfalt der hiesigen Kunstszene.

Für Werke von Joseph Beuys, Anselm Kiefer und Neo Rauch öffnete China sogar seinen kaiserlichen Ahnentempel Taimiao. Damit war im Herzen der Verbotenen Stadt erstmals zeitgenössische Kunst aus dem Westen zu sehen. Das Publikum nahm diesen Anstoß zum Austausch zwischen beiden Kulturen begeistert auf. Mit mehr als 650.000 Besuchern war der Zuspruch, den die Ausstellung „Deutschland 8“ erhielt, auch für die Verhältnisse im kunstbegeisterten Peking außergewöhnlich groß. Die unter anderem vom Auswärtigen Amt, Volkswagen, Siemens, Allianz, Lufthansa und Rheinmetall unterstützte Schau wurde im September 2017 vom damaligen deutschen Außenminister Sigmar Gabriel feierlich eröffnet. „Die gute Resonanz bei Publikum und Medien hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Walter Smerling, Vorsitzender der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur, die „Deutschland 8“ gemeinsam mit der Central Academy of Fine Arts in Peking veranstaltete. „Das Interesse des chinesischen Publikums unterschiedlicher Generationen bestärkt uns in der Absicht, den Dialog über Kunst fortzusetzen.“ Die Besucherzahlen in Peking übertrafen das 2015 an Rhein und Ruhr veranstaltete Pendant „China 8“ nochmals deutlich. 

Einladung zur Entdeckungsreise

Mit 320 Werken von 55 Künstlern aus sieben Jahrzehnten war „Deutschland 8“ die bislang umfangreichste Präsentation moderner und zeitgenössischer deutscher Kunst in China. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhoben die Veranstalter dabei nicht. Sie verstanden ihr Projekt vielmehr als Einladung zur Entdeckungsreise ins Innere Deutschlands.

IN PEKING WAREN SIEBEN MUSEEN AN DER AUSSTELLUNG BETEILIGT

45 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern dokumentierte es die vielfältigen Strömungen der deutschen Nachkriegskunst bis heute. Insgesamt sieben Museen in Peking sowie 40 Leihgeber, vor allem aus Deutschland und den USA, hatten sich an dem Großprojekt beteiligt. 

Rheinmetall lag dieses Sponsoring ganz besonders am Herzen, denn die Beziehungen zu Menschen und Kultur im Reich der Mitte sind eng. Schließlich ist der Automotive-Bereich bereits seit über 20 Jahren im Land aktiv und erwirtschaftet über die dortigen Gesellschaften mit mehr als 5.000 Mitarbeitern einen Umsatz von insgesamt rund einer Milliarde Euro. Präsentiert wurden die Werke gattungs- und themenbezogen an acht Stationen. Zusätzlich zu den sieben Ausstellungen fand ein Symposium statt, bei dem Künstler, Wissenschaftler sowie Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die deutsche und chinesische Kunstszene diskutierten. Workshops und Sonderführungen rundeten das Programm ab, dabei sollte „Deutschland 8“ vor allem auch einem jungen Publikum zugänglich gemacht werden.

Einblicke in 70 Jahre Kunstgeschichte

Die meisten Besucher pilgerten in den Taimiao-Tempel. Hier, in der Verbotenen Stadt, lag der Fokus auf Gemälden international renommierter Nachkriegskünstler, allen voran Joseph Beuys, der mit Zeichnungen vertreten war. Unter dem Titel „Traces of Memory – Masterworks of Contemporary German Painting“ vereinte diese Ausstellungsstation auch Werke von Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Sigmar Polke und Neo Rauch. Demgegenüber standen im Red Brick Museum wichtige Vertreter der abstrakten und informellen Kunst im Mittelpunkt, darunter Peter Brüning, K. O. Götz und Gerhard Hoehme. Sie symbolisieren den Neuanfang der Kunst in Deutschland nach 1945 und suchen in der Abstraktion den internationalen Anschluss. Einen Blick in die Zukunft bot das Whitebox Art Center. Es zeigte ausgewählte Einzelpositionen junger und aktueller Kunst, etwa von Alicja Kwade, David Schnell und Matthias Weischer. Darüber hinaus präsentierte „Deutschland 8“ das Spektrum der deutschen Videound Medienkunstszene sowie der zeitgenössischen Fotografie. In dieser Gesamtheit spiegelte das Großprojekt neben 70 Jahren deutscher Kunst auch deren Offenheit, Ideenvielfalt und Experimentierfreude wider. Gute Voraussetzungen für jeden Dialog.  

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