Verlässliche ­Lieferketten

Wenn sich Wirtschaftlichkeit und CSR ergänzen

Als weltweit agierendes Unternehmen nimmt Rheinmetall Automotive seine Verantwortung für regelgerechte, nachhaltige Rohstoffgewinnung und Produktionsprozesse aktiv wahr. Das reicht von Zertifikaten für konfliktfreie Minerale über umweltrechtliche Genehmigungen bis hin zu kurzen Wegen innerhalb der Lieferketten, die ökonomisch und zugleich ökologisch vorteilhaft sind – wie das Beispiel der Electrical Vapor Pump (EVAP) zeigt.

Eigentlich ist es ganz einfach: Wo sich Ökonomie und Ökologie ergänzen, entsteht eine klassische Win-win-Situation. Bis es allerdings so weit ist, müssen die Verantwortlichen viele Aspekte berücksichtigen und für Verbesserungsmöglichkeiten aufmerksam sein – dies gilt insbesondere für ein so vielschichtiges Gebilde wie die Liefer- und Produktionskette in einem internationalen Technologieunternehmen. Ein Beispiel für die gelungene Versöhnung von Ökologie, Corporate Social Responsibility (CSR) und Ökonomie bei der Herstellung eines Produkts ist die EVAP. Dazu sagt Marcus Gerlach, Chief Purchasing Officer NPM der Rheinmetall Group: „Die EVAP wurde in Europa entwickelt und wird heute in den USA und China produziert, mit jeweils eigenen Lieferketten. Das ist wirtschaftlich günstig, mindert Risiken aller Art und erzeugt einen geringeren CO2-Footprint als Transporte über große Distanzen.“

Konfliktfreie Minerale

Ein wesentlicher Punkt der regelgerechten Produktion betrifft den Umgang mit möglichen Konfliktmineralen. Diese werden insbesondere in zentralafrikanischen Konfliktgebieten gefördert und ihre Verkaufserlöse könnten zur Terrorfinanzierung dienen. Um genau das zu verhindern, gibt es den US-amerikanischen Dodd-Frank-Act von 2010. Er legt allen in den USA börsennotierten Unternehmen – und ebenso ihren deutschen Zulieferern – bei der Verwendung von Tantal, Zinn, Gold und Wolfram, die aus der Demokratischen Republik Kongo oder ihren Nachbarstaaten stammen, Dokumentations- und Publizitätsverpflichtungen auf. „In der Praxis bedeutet das, dass die Unternehmen mit dem Jahresabschluss ein Mineral Reporting vorweisen müssen, das bis zum Schmelzbetrieb zurückreicht“, sagt Marcus Gerlach. „Bei allen Produkten von Rheinmetall Automotive liegt dieses Reporting vor und ist im International Material Data System (IMDS), dem global standardisierten System für Materialdaten in der Automobilindustrie, hinterlegt.“ 

Zertifizierte Herkunft

Grundsätzlich hat jedes an Kunden bemusterte Produkt einen IMDS-Eintrag für seine stofflichen Verbindungen. Die verbindlichen Informationen für alle Stoffe stammen von den Lieferanten und möglichen Unterlieferanten. Aus diesen Informationen werden etwaige Konfliktminerale identifiziert. Schmelzbetriebe müssen die Herkunft der verarbeiteten Stoffe über eine Massenbilanz in ihren Büchern offenlegen. Die Organisation Responsible Minerals Initiative (RMI) besucht die Schmelzbetriebe und erteilt auf Nachweis das Zertifikat für einen Responsible Minerals Assurance Process (RMAP). Bei Gesetzesverstößen der Schmelzbetriebe darf die RMI nicht testieren. „Im Unterschied zu Mineralen ist die Problematik bei Kunststoffen, die aus Rohöl gewonnen werden, übersichtlicher. Weltkonzerne wie die BASF setzen eigene Codes of Conduct um, die Forderungen an eine verantwortungsbewusste Produktion erfüllen“, erläutert Marcus Gerlach. 

CSR in der Lieferkette

Das Produktbeispiel EVAP besteht aus knapp 20 Hauptbestandteilen. Die fünf wichtigsten Lieferanten sind für über 90 Prozent der Teile – gemessen nach deren Wert – verantwortlich. Viele Komponenten der EVAP wie Gehäuse, Impeller und Rotor kombinieren Kunststoffe und Metall. Für die metallischen Bestandteile der Komponenten müssen Zertifikate der RMI vorliegen. Die hohe Verantwortung für gute Produktion-bedingungen in der Lieferkette haben die Zulieferer durch einen speziellen Fragebogen (Self-Assessment Questionnaire) zu CSR und Nachhaltigkeit nachgewiesen: Die fünf größten Lieferanten für die EVAP haben ausnahmslos über 80 Prozent der möglichen Punktzahl erreicht.

Code of Conduct ist bindend

Die Rheinmetall Group besitzt einen Code of Conduct und einen Supplier Code of Conduct. Letzterer ist bindender Teil aller Verträge mit Lieferanten. Der Supplier Code of Conduct umfasst unter anderem Anforderungen auf dem Feld der Compliance, der Menschenrechte und der Arbeitsbedingungen, insbesondere zur Verhinderung von Zwangs- und Kinderarbeit.

Zudem müssen alle Lieferanten ein funktionierendes Umweltmanagement nach ISO 14001 vorweisen. „Wir kennen alle Lieferanten und ihre Fertigungsstätten von regelmäßigen Besuchen vor Ort“, sagt Marcus Gerlach. „Bei diesen Besuchen achten die weltweit 180 Einkäufer des Unternehmens zwar vor allem auf die Qualität der Bauteile, haben aber auch einen aufmerksamen Blick auf Aspekte wie Arbeitssicherheit, Reinlichkeit oder den unzulässigen Einsatz von Kindern.“ 

System funktioniert

In den vergangenen Jahren hat Rheinmetall Automotive mit seinem Vorgehen bei Umweltschutz und CSR nur gute Erfahrungen gemacht und keine Verstöße gegen die Regeln erlebt. Insbesondere in China ist das Umweltaudit fundamental wichtig geworden. „China will in Sachen Compliance und Umwelt sauber sein und führt staatlicherseits dazu harte Kontrollen durch“, sagt Marcus Gerlach. „Die Kontrolleure können Betriebe im Zweifel sofort stilllegen.“ Somit besteht bei Verstößen gegen ökologische Regeln ein reelles ökonomisches Risiko, das niemand eingehen kann. „Die Automobilindustrie hat durch ihre globalen Regeln einen Stand erreicht, der beispielhaft ist und für andere Industrien anzeigt, wohin die Entwicklung gehen sollte“, resümiert Marcus Gerlach.

EVAP – Kraftstoffdampf besser zurückhalten

Nicht nur für die Emissionen aus den Verbrennungsmotoren von Fahrzeugen, sondern auch für die Emission ihrer Kraftstoffdämpfe bestehen mittlerweile strenge gesetzliche Grenzwerte. Zum Auffangen der Dämpfe dient ein Aktivkohlebehälter, der regelmäßig gespült werden muss. Für diese Anwendung hat die Pierburg GmbH eine innovative, kompakte Pumpe entwickelt – die Electrical Vapor Pump (EVAP). Sie „spült“ den Kohlebehälter auch ohne das bislang nötige Vakuum im Ansaugrohr. Die Aktivkohle dient dazu, Kraftstoffdämpfe zu sammeln und so lange zu binden, bis sie im Motor verbrannt werden. Weil die Kapazität des Behälters zum Speichern von Kohlewasserstoffverbindungen begrenzt ist, muss regelmäßig Frischluft zugeführt werden. Heutige Motorengenerationen ohne ausreichende Vakuumversorgung benötigen dafür eine Lösung, die aktiv zur Reinigung des Behälters beiträgt. Die EVAP ist ein zentrifugales elektrisches Modell einer Gaspumpe, das diese Aufgabe erfüllt. Angetrieben wird sie von einem einphasigen Motor, der zu dem großen Durchsatz und dem geringen Druck der Anwendung passt. Ein hohes Drehmoment stellt sicher, dass die Pumpe schnell anläuft und reagiert, während es das zentrifugale Design ermöglicht, bei wenig Energieaufwand selbst gegen das geschlossene Ventil zu arbeiten. Gewicht und Kosten sind niedrig – dank des Einsatzes etlicher Kunststoffkomponenten. Die elektrische Pumpe war die erste ihrer Art und ist 2018 erstmals bei einem Kunden in Serie gegangen.