Turbolader sind keine Bremsbeläge

INTEC France ist Spezialist für die Aufbereitung defekter Lader

Die Motorservice-Tochter INTEC France ist seit zehn Jahren mit der Instandsetzung von Turboladern am Markt und hat hier nicht nur ein weiteres attraktives Geschäftsfeld aufgebaut, sondern leistet auch einen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. INTEC France ist Spezialist für die Aufbereitung defekter Lader Nach der Bearbeitung bei INTEC in Lyon sind die fertigen Turbolader wieder in einem absolut neuwertigen Zustand.

Vor rund zwei Jahren hat das Spezialunternehmen einen neuen Standort bei seiner Muttergesellschaft Motorservice France in Genas bei Lyon bezogen und erweitert nun konsequent seinen Aktionsradius. „Defekte Turbolader fachgerecht instandzusetzen ist keine Kleinigkeit. Schließlich handelt es sich um ein Bauteil, das außergewöhnlich hohen Belastungen ausgesetzt ist. Das erfordert umfassende Kenntnisse“, meint Régis Serrano. Der 52-jährige französische Ingenieur hat 2007 bei MS France, damals noch KS Motorac, angefangen. Inzwischen ist er zudem für Vertrieb und Marketing der deutschen Muttergesellschaft MS Motorservice International zuständig.

Defekte Turbolader instandzusetzen ist keine Kleinigkeit

Die Marke ist für ihn nach wie vor ein Aushängeschild, das auf der ganzen Welt zieht: „Wenn ich auf einer Vertriebsreise, beispielsweise in Nordafrika, unterwegs bin, dann bin ich für alle nur ‚Mister KS‘. Dort kennt man über viele Jahre die blauen Schachteln mit unseren Ersatzteilen und vertraut ihnen.“ Grund genug für den Manager, auch Turbolader in den bewährten Verpackungen anzubieten. Die gehen zunehmend auch in den Nutzfahrzeugmarkt. Hinzu kommen Turbolader für Land- und Baumaschinen sowie für stationäre Anwendungen. Im Nkw-Bereich herrschen erschwerte Bedingungen, weil Turbolader dort nochmals erhöhten Kräften ausgesetzt sind. In der Tat kommt ein Turbolader schon beim Pkw auf die Geschwindigkeit eines Revolverprojektils. Und sollte etwas passieren, dann „schießt“ er in Richtung Motor, wo mitunter großer Schaden angerichtet werden kann.

Dabei gilt der Turbolader allgemein als an sich verschleißfreies Bauteil. Macht er Probleme, dann liegen die Ursachen meist an anderer Stelle im Motor. Defekte Lader sind aber kostenaufwändige Bauteile. Daher lohnt sich in der Regel auch eine Instandsetzung. Aber die muss fachmännisch erfolgen, weiß Serrano, dessen Unternehmen auf eine mehr als 20-jährige Erfahrung in diesem Bereich zurückblickt. 

Turbo by INTEC

Aber wie ist MS France überhaupt auf die Idee gekommen, sich im Turboladerbereich zu engagieren? Die Antwort ist für Serrano ganz logisch: „In Frankreich gibt es 300 Motoreninstandsetzer. Jeder von ihnen kauft bei uns. Motorservice ist im Bereich Motormanagement zuhause. Sieht man einmal von der Einspritzung ab, liefern wir quasi ein Vollsortiment. Uns fehlte nur der Turbo.“ 2008 trat zudem der Turboladerproduzent Garret an MS France heran, weil man einen Vertrieb für Frankreich suchte. MS France hatte zu der Zeit schon ein Trainingssystem für Kunden aufgebaut und verfügte über den notwendigen Zugang zu den Großhändlern.

Das Unternehmen wurde damals Master Distributor für Garrett mit zunächst nur zehn Applikationen. Heute haben die Ersatzteilspezialisten außerdem einen ähnlichen Status auch bei Holset, Borg Warner, Schwitzer sowie bei Mitsubishi und VDO. Von allen verfügt das Unternehmen über die Spezifikationen und die technische Dokumentation der Lader. Zusätzlich gibt es Kontakte zu IHI, deren Lader ebenfalls im Programm sind. So erreicht der Vertrieb von Turboladern mittlerweile das gleiche Umsatzniveau wie beispielsweise die Komponenten zur Abgasrückführung: Jährlich werden rund 20.000 Turbos umgesetzt, 80 Prozent davon für Pkw.

Remanufacturing hat guten Ruf im Markt

Jedoch wollte man zusätzlich zum Originalteilegeschäft noch eine attraktive Low-Cost-Lösung aufbauen, ohne auch hier den Premiumanspruch aufgeben zu wollen. So fiel die Wahl auf die eigene Aufbereitung und auf INTEC. Die Übernahme des ebenfalls in Lyon ansässigen Unternehmens lag dabei im wahrsten Sinne des Wortes nahe. INTEC gehörte zuvor unter anderem zu Holset, dem größten Turboladerhersteller für Nkw. Auch ein aufbereiteter Turbo wird mit einer Garantie von zwei Jahren verkauft. Daher lohnt sich der große Aufwand nur für solche Fahrzeuge, die noch über einen entsprechenden Wert verfügen. Das gilt zum Beispiel für größere Pkw, aber besonders für Lkw und die Bereiche Marine, Landmaschinen oder für Stationärmotoren. INTEC bereitet zurzeit jährlich 3.500 Komponenten auf, darunter etwa 1.500 Lkw-Turbolader für eine derzeit noch vorwiegend französische Kundschaft.

Kunden kommen bei guter Qualität wieder

„Turbolader sind keine Bremsbeläge“, weiß Serrano, „man muss als Lieferant seine Kunden auch in die Lage versetzen, mit den Komponenten zu arbeiten. Deshalb sind Trainingsmöglichkeiten unabdingbar, damit der Kunde weiß, was bei der Montage zu beachten ist.“ Gleiches gilt übrigens auch für die Mitarbeiter von INTEC. Eine Versorgung mit Originalersatzteilen der Hersteller sowie die Information über Spezifikationen, wie beispielsweise das Lagerspiel beim Laufrad, erhalten selbst die Aufbereiter erst nach einer intensiven Schulung durch den Hersteller. Auf diese Weise hat das Unternehmen heute Zugriff auf alle Originalspezifikationen und wird für seine Aufbereitung von Großladern zu 99 Prozent mit Original-Ersatzteil-Kits der Hersteller beliefert.

Insgesamt haben die französischen Spezialisten 2.800 Applikationen im Angebot, neue Lader eingeschlossen. Für den Bereich Heavy Duty verfügen sie über 250 unterschiedliche Aufbereitungsmodelle. Der Rest ist als Neuteil erhältlich. Eine weitere Besonderheit ist, dass Turbo by INTEC in seiner blauen Schachtel in Abhängigkeit von der Versorgung mit Altteilen mitunter sogar fabrikneue Lader (New in the box) an seine Kunden liefert, um eine konstante Ersatzteilversorgung sicherzustellen.

Ein aufbereiteter Turbo ist nicht schlechter als ein neuer, wenn er fachgerecht bearbeitet wurde

So kann es passieren, dass ein Kunde ein flammneues Teil zum Preis eines aufbereiteten Laders erhält. Das Basismaterial an defekten Ladern erhält INTEC von Großhändlern oder Betreibern von Flotten über ein Pfandsystem. Zusätzlich werden Altteile am freien Markt angekauft oder bei Werkstätten abgeholt, die so ihre Entsorgung sparen. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung bietet INTEC mittlerweile sogar ein spezielles Engineering für Lader. In diesem Performance-Bereich werden Serienlader im Hinblick auf erhöhte Leistungsdaten angepasst. Ein Nischensektor, der sich ausschließlich an Rallye- und Rennfahrzeuge richtet. Dies sogar im Lkw-Rennsport, wo INTEC ebenfalls mit angepassten Ladern unterstützt. Für den Ersatzteilspezialisten ein zusätzlicher Vertriebskanal, denn in diesem Zuge werden auch weitere Teile an die Rennteams verkauft. Mittlerweile steigen sogar traditionelle Hersteller in diesen Markt ein und bieten leistungsgesteigerte Sportserien.

Umzug erweitert Möglichkeiten

Heute sind bei MS France und INTEC in Genas insgesamt 17 Mitarbeiter aktiv. Ziel des Umzugs an den Standort war es, die Kapazitäten zu erhöhen. Die zur Verfügung stehende Fläche von 4.500 Quadratmetern bietet den von INTEC benötigten Platz und die Aufbereiter profitieren von den logistischen Möglichkeiten der Schwestergesellschaft. Hintergrund des Umzugs ist aber auch, dass INTEC sein Geschäft ausbauen will. Gedacht ist dabei nicht nur an eine zahlenmäßige Aufstockung der aktuell rund 3.500 aufbereiteten Turbolader, sondern auch an eine regionale Ausweitung. Ansätze dazu bestehen außer in Deutschland bereits in Spanien und Griechenland. Serrano prüft zudem verschiedene weitere Möglichkeiten, da er aktuell über eine Kapazität von bis zu 5.000 Teilen verfügt. Weltweit, so ist man in Genas überzeugt, wird das Geschäft mit Ladern zunehmen, denn besonders die Nutzfahrzeughersteller verfügen nicht unbedingt in jeder abgelegenen Region des Globus über ein lückenloses Reparaturnetzwerk. So sind sie durchaus froh, wenn Fachwerkstätten im Ausland entsprechende Lösungen anbieten. Allemal besser als der Imageschaden, der durch einen liegengebliebenen Lkw entsteht.