Testfahrt mit
Dr. Alexander Sagel

Leiter der KSPG-Division Hardparts

Der Test eines innovativen Dieselmotors von Mercedes-Benz führt Dr. Alexander Sagel durch das von Weinbergen umgebene Weinsberger Tal. Das V6-Aggregat seiner E-Klasse 350 BlueTEC verfügt als erster Motor eines Serien-Pkws über Stahlkolben – entwickelt und zur Serienreife gebracht von KS Kolbenschmidt im nahen Neckarsulm. Kürzlich hat das Unternehmen gemeinsam mit dem Kunden aus Untertürkheim sowie seinem Entwicklungspartner Hirschvogel für diese Neuheit den Stahlinnovationspreis 2015 erhalten.

Im Weinsberger Tal kreuzen sich noch heute wichtige Nord-Süd- und Ost-West-Achsen und mancher Autofahrer hat das gleichnamige Autobahnkreuz in stauträchtigerErinnerung. Bereits vor Jahrhunderten gaben sich hier die unterschiedlichstenVolksgruppen ein Stelldichein. Die wohl bekanntesten waren die Welfen, deren hintersinnigem Abzug im Jahre 1140 die Weinsberger Burg ihren Namen „Weiber-treu“ verdankt. Die lange belagerten Weinsberger durften nur ihre Frauen ziehen lassen, mit all dem, was diese mit sich tragen konnten. Diese wählten bedenkenlos ihre Männer und trugen sie ‚treu‘ den Berg hinab und in die Freiheit. Wir befinden uns in den nördlichen Ausläufern der Schwäbisch-Fränkischen Berge. Für den Neckarsulmer ist es das Unterland. Durch das Örtchen Weinsberg fließt die Sulm, die kurz darauf in den Neckar mündet. „Ich habe gelernt, dass unserFirmensitz ‚Neckar-sulm‘ ausgesprochen wird und nicht ‚Neckars-ulm‘ ,aber damit enden meine Insider-Kenntnisse“, sagt der promovierte Materialwissenschaftler schelmisch und fügt hinzu: „Aber ich bin, obwohl ich nicht von hier stamme, in dieser Region absolut angekommen und fühle mich sehr wohl.“ Seit Mitte der 1990er Jahre ist er nach Studium in Berlin und Stationen in den USA im Schwabenland zuhause. Zunächst in Ulm an der Universität, dann bei Daimler und seit 2005 bei KSPG in Neckarsulm, lebt er heute mit seiner Familie im nahegelegenen Leingarten.

Die Passion zum Beruf gemacht

Eigentlich war hier zu leben für ihn schon ein Kindheitswunsch. Das lag an seinem ersten großen Hobby, der Mineralogie. Als Kind und Jugendlicher hatte er sich ihr vollends verschrieben. Seine Faszination für Mineralien begann er voller Forscherdrang schon mit acht Jahren in einer Schrift über die Kristallstruktur von Quarz zu dokumentieren: „Die Formen der Kristalle, die Strukturen und Farben haben mich unheimlich fasziniert“. Sagel ist 1971 in der Nähe von Frankfurt geboren, lebte aber ab seinem elften Lebensjahr in einem 350-Seelen-Dorf in Nordhessen. Jedoch ist Hessen vergleichsweise arm an Mineralien, von daher der frühe Drang nach Süden. Den konnte er auch auf Jagdausflügen am Großglockner mit dem Vater und seinen beiden älteren Brüdern ausleben.

ICH HABE GELERNT, DASS UNSER FIRMENSITZ „NECKAR-SULM“ AUSGESPROCHEN WIRD

In den Jagdpausen wurde nach Mineraliengesucht oder fotografiert. Heute vermittelt er diese Faszination an seine eigenen zwölf und neun Jahre alten Kinder, beispielsweise, wenn im Urlaub gemeinsam in den Halden der Schwarzwälder Grube „Clara“ nach verborgenen „Schätzen“ gesucht wird. Verständlich, dass sich auch eine Studienwahl an dieser frühen Passion orientiert und noch heute lebt er auf, wenn es dienstlich um Materialzusammensetzungen und Werkstoffe geht. Fachgebiete, mit denen er nicht nur gelegentlich zu tun hat, stellen sie doch den technologischen Kern der Division Hardparts dar. Als Chef dieses Unternehmensbereichs, in dem die weltweiten KSPG-Aktivitäten bei Kolben, Lagern sowie dem Gussgeschäft zusammengeführt sind, hat er den Stahlkolbenantrieb von Mercedes-Benz schon früh in der Versuchsphase Probefahren können. Aber auch der Serienmotor hält auf der längeren Strecke Sagels Erwartungen stand, ja verhält sich sogar „überraschend unauffällig“. Der Kolbenschmidt-Chef hört auch bei kritischer Beobachtung keine Veränderung zum Aluminiumkolben heraus. Den Unterschied, weiß er, merke man erst an der Tankstelle, wenn sich der um drei bis vier Prozent geringere Verbrauch zeige, obwohl der Stahlkolben durchaus auch „in puncto Leistung noch Potenzial nach oben“ habe.

Eigenes Wettbewerbs-Gen

Sagel gehört zu den Menschen, die es immer genau wissen wollen. In ihm steckt, wie er sagt, ein Wettbewerbs-Gen. Vielleicht auch ein Grund für sein früher starkes Engagement als Zehnkämpfer: „Ich messe mich gerne mit anderen und ohne Wettbewerb wäre Sport nichts für mich“. Dazu gekommen ist er während der Olympischen Spiele 1984. Bei der Sommerolympiade in Los Angeles sah er Carl Lewis bei seinen vier Goldmedaillengewinnen und seine Begeisterung für die Leichtathletik war geweckt. Mittlerweile entwickeln auch seine Kinder ihre eigenen Interessen, nicht nur was den Sport angeht, und der Familienvater hat zumindest später abends Zeit, selbst weiter zu trainieren, um fit zu bleiben.

OHNE WETTBEWERB WÄRE SPORT NICHTS FÜR MICH

Da sieht er auch eine Parallele zum täglichen Geschäft, denn ohne eine ständige Verbesserung und Weiterentwicklung ginge es auch bei den Hardparts nicht weiter: „Wenn ich bei uns hier oder in Mexiko oder in Tschechien stark engagierte Teams sehe, die mit unglaublicher Energie an der Verbesserung von Prozessen und Produkten arbeiten, dann ist das eine großartige Motivation für mich“, gibt er begeistert zu. Die Stahlkolben in seinem Mercedes-Benz sind ein aktuelles Beispiel dafür.