Testfahrt mit Olaf Hedden

Leiter der KSPG-Division Mechatronics

Das nicht alltägliche Fahrgefühl im Porsche Macan Turbo lotet Pierburg-Chef Olaf Hedden auf einer Testfahrt in Meerbusch-Büderich bei Düsseldorf aus. Dabei gibt der studierte Betriebswirt Einblicke in die Bandbreite seiner Aufgaben und schildert seine Faszination für die aktuellen Fragestellungen zur Motorentechnik.

Der Düsseldorfer Flughafen ist fast schon in Reichweite und die meisten, die einmal in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt gestartet oder gelandet sind, haben dieses paradiesische Fleckchen Erde schon einmal überquert. „In der Issel“ liegt jenseits des Flusses auf der linksrheinischen Seite. Dabei ist es hier alles andere als „schäl“, wie der Rheinländer sagt. Saftige Wiesen und Pferdekoppeln, kleine Wirtschaftswege und verträumt daliegende Gehöfte lassen den Duft von Freiheit und Abenteuer aufkommen. Und auch die Fundamente eines ehemaligen römischen Herrenhauses finden sich noch in der Nähe. Der Begriff „Issel“, kommt von „Insel“ und deutet schon im Namen darauf hin, dass dieses fruchtbare Gebiet der Ilvericher Altrheinschlinge vor rund 7.000 Jahren als kleine Erhebung einmal vom Rhein umspült war. Die flussnahe Auswahl seines Testareals führt den gebürtigen Hanseaten Hedden in eine vertraute Landschaft. Genau die richtige Umgebung für ein Sport Utility Vehicle, wie die hohe Frequenz ähnlicher Fahrzeuge in dieser Region schnell vermuten lässt. Der Porsche Macan Turbo bleibt nicht lang allein, denn sein Weg wird gekreuzt von einer Vielzahl von Artgenossen, in denen Mütter den Nachwuchs zum Reiten bringen oder Streuobst an der Annahmestelle für den „Nüsser Apfel“ abliefern. Hier ist aber dennoch genügend Freiraum um die 400 PS des Sechszylinders einmal – wenn auch nur kurzfristig – auszureizen. „Der hat Power und geht wirklich gut“, so denn auch Heddens klare Feststellung schon nach den ersten Metern. Fast wie im startenden Flugzeug in die Sitze gepresst wird Fahrer und Beifahrer klar, dass 500 Newtonmeter Drehmoment mit diesem Wagen leichtes Spiel haben und selbst das rund zwei Tonnen schwere Fahrzeug in weniger als fünf Sekunden auf 100 km/h bringen.

40 MAL BRUCE SPRINGSTEEN UND 15 MAL DIE STONES GESEHEN

Seit Anfang 2014 ist der aus Hamburg stammende Offizierssohn Chef der Neusser Pierburg GmbH. Mittlerweile lebt der 51-Jährige mit seiner Familie aber bereits seit 18 Jahren in Neuss und kennt Pierburg aus dem Effeff. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre folgte eine erste Station bei der Metallgesellschaft. Als Assistent des damaligen Vorstandsvorsitzenden Kajo Neunkirchen erlebte er dort in der Krise der Metallgesellschaft nach eigener Aussage „eine richtig spannende Zeit“. 1997 wechselte er zur Rheinmetall-Gruppe und war dann zwischen 2002 und 2010 in der Pierburg-Geschäftsführung für die Finanzen des Automobilzulieferers verantwortlich. Es folgte eine vierjährige Zwischenstation als Chef der Läpple AG in Heilbronn, bis Hedden im vergangenen Jahr an seinen alten Schreibtisch zurückkehrte. Diesmal allerdings in der Gesamtverantwortung für das Unternehmen.

Ein Gefühl der Heimkehr

An seiner neuen Aufgabe, auf die er sich sehr gefreut hat, schätzt er die „extreme Bandbreite“. Da er viele Mitarbeiter noch von früher kannte, stellte sich bei ihm schon fast das Gefühl der Rückkehr von einer langen Reise ein. Die Technik fasziniert den früheren Finanzer dabei ganz besonders: „Kaufmann und Techniker verbindet aus meiner Sicht, dass beide versuchen müssen, ein Gesamtsystem zu erfassen und die jeweiligen Abhängigkeiten und beeinflussenden Faktoren auszumachen. Dadurch wird es leichter, ein gesamtes Wirkungsgeflecht zu durchschauen. Und das genau versuche ich immer bei meinen Entscheidungen im Beruf. Darüber hinaus ist es einfach spannend auszuloten, was man technisch alles machen kann, um die Naturgesetze auszureizen.“ Da er nicht gerne auswendig lernt, ist das Verstehen der Zusammenhänge für ihn hier der Schlüssel zum Erfolg.

RESPEKT VOR DER ARBEIT DER INGENIEURE

Etwas anders, so gibt Hedden zu, ist es in seinem erlernten Berufsfeld dann doch, gerade weil es nicht nur eine Wahrheit gibt und die Systemgrenzen in der Finanzwelt letztendlich nie genau festgelegt sind. „Aber“, so Hedden weiter, „der Respekt vor der Arbeit der Ingenieure, das ständig neue ‚sich in die Themen reindenken‘ ist das eigentlich Tolle an meiner Aufgabe, wenn man das als Kaufmann auch nie in der Form kann wie ein Techniker.“

Leidenschaft für Musik

System-Strukturen zu erkennen, hat ihn auch schon in seiner Jugend beschäftigt. Als Musiker einer Schülerband mit einem eigenen Hardrock-Repertoire ist ihm die der Harmonielehre hinterlegte Mathematik vertraut. Treu geblieben ist er der Musik bis heute, wenn auch nicht mehr als Aktiver: „Viele Freunde, die wieder mit dem Musizieren angefangen haben, tun sich schwer, weil einfach die Fingerfertigkeit von damals fehlt.“ Nach wie vor ist er aber häufiger Gast bei Konzerten seiner Lieblingsmusiker: Bei vierzig Auftritten von Bruce Springsteen und fünfzehn Stones-Konzerten war der frühere Bassist inzwischen weltweit dabei. Musik aus vollen Rohren macht auch der Porsche Macan Turbo auf der weiteren Strecke, derweil die Stones über die Radioanlage mit „Start me up“ ein klares Statement zur Issel schicken. Eine Testfahrt unter Dampf.