Testfahrt mit Heinrich Dismon

Leiter Forschung und Technologie von KSPG

Auf einer Testfahrt durch das Neandertal erzählt Heinrich Dismon, Chief Technical Officer, über seinen Werdegang und weshalb es ihn fasziniert, klassische Motorräder wieder flott zu machen und zu bewegen. Dabei steuert er ein reines Elektrofahrzeug, das über einen KSPG Range Extender verfügt.

Sie verbreiten eine ganz eigenartige Ruhe, die tiefen bewaldeten Einschnitte des Neandertals im Osten von Düsseldorf. Leise surrend zieht der Fiat 500 seine Runden entlang der gemächlich mäandrierenden Düssel, voran durch beeindruckend mächtige Galeriewälder, die schon im 19. Jahrhundert von den Künstlern der Düsseldorfer Malerschule zu Lieblingsmotiven erkoren wurden. Hier fühlte sich auch der Vorfahre des Homo sapiens bereits vor 40.000 Jahren offenbar schon recht wohl. Man kann es ihm nicht verdenken und wundert sich gleichzeitig, dass seine Relikte in diesem paradiesischen Fleckchen Erde erst vor rund 160 Jahren entdeckt wurden.

Lautlos und mit „langem Atem“

Heinrich Dismon, Entwicklungschef von KSPG, sitzt am Steuer eines besonderen Fahrzeugs. Als ob er die Ruhe des Urmenschen nicht stören wollte, wird sein FIAT mit 30 kW Leistung lautlos durch einen Elektromotor angetrieben. Nahezu unmerkbar unterstützt durch einen Range Extender, der immer dann einsetzt, wenn der Batterie des Elektrofahrzeugs die Puste ausgeht, und so weiter für einen elektrischen Vortrieb sorgt. Und das sehr effektiv. Selbst trotz der Anfahrt von rund 30 Kilometern flinken Autobahntempos weist der Akku des KSPG Technologiedemonstrators immer noch eine Batterieladung von fast 85 Prozent auf, als Dismon, am ersten Etappenziel angekommen, in die Auffahrt des futuristisch gestalteten Neanderthal-Museums (sic!) einbiegt. Besitzer von Elektrofahrzeugen können diesen Wert einordnen.

Die große Herausforderung der Zukunft besteht darin, ein Gleichgewicht von Leistungsoptimum und Ressourcenschonung zu schaffen

Schon beeindruckend, dass die Anfahrt zu den Ursprüngen des modernen Menschen die moderne Fahrzeugtechnologie offenbar nur ansatzweise angestrengt hat. Insgesamt ist der verbaute Range Extender sogar für rund 400 Zusatzkilometer zur normalen Batterieladung des Elektrofahrzeugs von knapp 70 Kilometern gut.

Keine Angst vor weiten Strecken

Als Leiter Forschung und Technologie von KSPG ist Heinrich Dismon normalerweise eher gewohnt, den Blick in die andere Richtung des Zeitstrahls zu richten. Die automobile Zukunft ist vor allem sein Ding. Da beschäftigt er sich mit der Verbesserung von Abgasrückführsystemen bis hin zu Aggregaten der Brennstoffzelle. Aus diesem Grund hat er für die Tour zu den Wurzeln der Menschheit auch dieses Konzeptfahrzeug gewählt, das eine Brückentechnologie darstellt zu einer künftigen rein elektrischen Fortbewegung. Ein schöner Kontrast zum Homo neanderthalensis. „Wir zeigen mit diesem Fahrzeug,“ sagt der Entwicklungschef, der nach dem Ingenieurstudium an der RWTH Aachen bereits 1999 seine Laufbahn bei Pierburg in Neuss begann, „was unser technologisches Konzept, das wir gemeinsam mit der FEV auf die Beine gestellt haben, in der Lage ist zu leisten. Man kann mit dem Fahrzeug und seiner elektromotorischen Performance wirklich problemlos im Verkehr mitschwimmen, sogar auf der Autobahn. Der REx lässt sich völlig problemlos einsetzen, als wäre es ein Verbrenner. Hinzu kommt noch ein gewisses Gefühl der Beruhigung und Sicherheit, dass die Reichweite auch passt.“ Er fügt an, dass KSPG auch von den Automobilherstellern, denen der REx bisher präsentiert wurde, in puncto NVH-Verhalten, also Noise-VibrationHarshness, genau diese Rückmeldung erhalten hat. Das Konzept des KSPG-FEV REx ist ganz vorne mit dabei.

Ideal für den Stadtverkehr

Dismon selber könnte heute dennoch nicht von seinem Wohnsitz aus elektrisch zum Dienst fahren. Die Anfahrt von der holländischen Grenze, wo der 51-Jährige mit seiner Frau lebt, wäre für den REx zwar kein Problem, aber Dismon kommt mit seinem Dienstwagen bei der Strecke und seinen vielen beruflichen Fahrten auf andere Durchschnittsgeschwindigkeiten. Aber gerade in der Stadt „ist der elektrische FIAT ein sehr angenehmes Auto und man fühlt sich in keiner Weise eingeschränkt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dem elektrischen Antrieb eine große Zukunft winkt.“ Man spürt dennoch, dass insbesondere Verbrennungsmotoren und alles was rollt das Leben von Heinrich Dismon antreiben. Nach der Bundeswehrzeit, in der er zeitweise mit dem Beruf des Jet-Piloten geliebäugelt hat, kamen dann aber doch die Familiengene durch und er trat in die beruflichen Stapfen seines Vaters, der ebenfalls Ingenieur war.

Entspannen mit Ducatis

Die Passion im Umgang mit Motoren und Antrieben lebt er noch heute in seiner gut ausgestatteten Privatwerkstatt aus, in der er in seiner Freizeit vorrangig klassische Ducatis restauriert oder an der Optimierung von Rennsportmotoren arbeitet. Von Jugend an hat der Motorenspezialist eine klassische Biker-Karriere durchlaufen und kann auch auf motorsportliches Engagement zurückblicken. Warum gerade Ducatis? „Das sind schon sehr anspruchsvolle Motoren mit einem besonderen Ventilsteuerungskonzept. Diese mechanischen Herausforderungen bei der Einstellung und Wartung haben mich schon früher fasziniert und begeistern mich noch immer.“

die legendäre italienische marke zeichnet sich durch besonders anspruchsvolle motoren aus

Heute dienen ihm seine Zweiräder eher zum Entspannen, sei es beim ‚Schrauben‘ oder einer Ausfahrt am Sonntagmorgen, bei der er sehr gut abschalten kann und neue Kraft tankt. Die Arbeit an seinen Motorrädern erhält ihm auch die Verbindung zur Hardware ‚Motor‘, die er im normalen Berufsalltag aufgrund seiner Funktion nicht ganz so intensiv ausleben kann, denn bei allem, was mit mindestens zwei Rädern zu tun hat, fühlt sich der KSPG Entwicklungschef in seinem Element. Dies gilt auch für den Elektroantrieb, mit dem er nach einer kurzen Zwischenstation am Denkmal des berühmten Steinzeitmenschen die nächste Etappe seiner Tour vor Augen das berühmte Tal wieder nahezu lautlos surrend verlässt.