Taxis im Anflug

Fliegende Fahrzeuge werden Realität

Jeder, der schon einmal in einem nicht enden wollenden Stau gestanden hat, kennt den Wunsch: jetzt in die Luft steigen und dem Ziel entgegen fliegen – so wie Bruce Willis im Blockbuster „Das fünfte Element“. Ein Traum, der gar nicht mal aus der Luft gegriffen ist: Fliegende Taxis werden in Dubai bereits getestet.

Wenn auf der Autobahn mal wieder nichts geht, ist schon manch ungeduldiger Fahrer „in die Luft gegangen“ – allerdings nur im übertragenen Sinne. Wie schön wäre es, in einem solchen Fall den Verkehr in die dritte Dimension zu verlagern, sprich: den freien Himmel zu nutzen? Vor ein paar Jahren noch bloße Spinnerei, scheint sich diese Vorstellung zu verwirklichen. 

Weltweit arbeiten Unternehmen an kleinen Fluggeräten für wenige Personen – sogenannten „Flying Taxis“. Darunter sind die Kitty Hawk Corporation, die mit Google--Gründer Larry Page einen finanzstarken Unterstützer hat, Uber sowie Flugzeughersteller wie Airbus, die Boeing-Tochter Aurora Flight oder Bell. Doch auch deutsche Start-ups wie Lilium aus München oder Volocopter aus Bruchsal müssen sich nicht verstecken: Volocopter ist einer der ersten Hersteller, der sein Produkt unter realitätsnahen Bedingungen seit 2017 in Dubai testet. In diesem Jahr soll sich der Volocopter außerdem in Singapur beweisen.

Technologische Fortschritte, die in den vergangenen Jahren immer mehr an Dynamik gewonnen haben, machen diese Entwicklungen erst möglich. Zum Beispiel sind da die immer perfekteren automatischen Piloten. Genau wie autonome Fahrsysteme für die Straße immer besser werden, werden auch Fluggeräte immer smarter. Damit sinken die Anforderungen an das Können der menschlichen Piloten; die Gefahren des Luftverkehrs werden beherrschbar. 

Senkrecht zu starten, ist eine weitere Eigenschaft, die allen Konzepten der Flying Taxis gemeinsam ist. Schließlich haben die wenigsten eine mehrere Hundert Meter lange Piste zum Starten und Landen vor der Haustür. Auch hier wurden durch die zahllosen kleinen Multicopter – helikopterähnliche Drohnen mit zahlreichen Rotoren –, die seit einigen Jahren durch die Lüfte brausen, wertvolle Erfahrungen im kleinen Maßstab gesammelt, die sich auch auf Full-Size-Drohnen übertragen lassen. 

Es werden noch einige jahre ins land gehen, bis es zum einem flächendeckenden einsatz kommt

Zudem kommt es auf jedes Kilogramm an. Leichte und robuste Materialien wie Fiberglas reduzieren das Gewicht der kleinen Flugzeuge. Und je leichter das Flying Taxi ist, desto weniger Energie benötigt es zum Abheben. Da fast alle Flying Taxis für einen elektrischen Antrieb konzipiert werden, ist das ein Knackpunkt für die weitere Entwicklung.

Die größte Herausforderung für die Forscher: Noch ist die Speicherdichte der Batterien kaum ausreichend für einen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb der Kleinstflieger. Nach einer Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger muss die Energiedichte für diesen Fall mindestens 500 Kilowattstunden (kWh) pro Kilogramm betragen. Zum Vergleich: Der Akku des Tesla bringt es aktuell auf 250 bis 350 kWh. Das heißt, dass mit der aktuellen Batteriegeneration die Reichweite noch stark begrenzt ist. Der Volocopter 2X beispielsweise muss nach maximal 27 Kilometern wieder ans Netz. Für Pilotprojekte wie das in Dubai mag das genug sein, aber bis es zu einem flächendeckenden Einsatz der Flying Taxis kommt, werden vermutlich noch einige Jahre ins Land gehen. Wir müssen also noch ein bisschen warten, bis wir nicht mehr vor die Tür, sondern auf das Dach des Bahnhofs gehen, um ein Taxi zu rufen.

Weitere Informationen

Ein Video gibt es unter tiny.cc/flyingtaxis