Superhighway des Welthandels

Die Seidenstraße erwacht zu neuem Leben

Marco Polo hätte sich nicht träumen lassen, dass 700 Jahre nach seinem Tod die legendäre Seidenstraße zu neuer Blüte erwachen könnte. Mit einem Investitionsvolumen von rund einer Billion US-Dollar arbeitet allein der chinesische Staat daran, die Land- sowie Seewege nach Europa auszubauen, und erfüllt damit uralte Handelsrouten mit neuem Leben.

Ob nun Marco Polo wirklich China gesehen hat und am Hofe des Kublai Khan als Berater geschätzt wurde oder ob das Ganze eher der damaligen Sehnsucht nach neuen Handelsmöglichkeiten und fremdländischen Erlebnissen entsprang, mag dahingestellt sein. Fakt ist: Die Handelsbeziehungen mit dem Reich der Mitte nehmen seit Jahrzehnten stetig zu und dementsprechend müssen auch die Handelsrouten an neue Anforderungen angepasst werden. 

China bezieht mehr als die klassische ost-west-Verbindung in das Projekt „one belt, one road“ ein

Die Europäische Gemeinschaft tat dies bereits mit ihrem seit 1993 bestehenden Projekt TRACECA (Transport Corridor Europe--Caucasus-Asia). Die Volksrepublik China tut das Ihre, um mit dem 2013 angestoßenen Projekt „One Belt, One Road“ nicht allein die klassische Ost-West-Route zu Land und zu Wasser auszubauen. China bezieht in sein aufwendiges Seidenstraßen-Projekt auch die Handelswege nach Russland, in die Mongolei, die südostasiatischen Länder, nach Indien, Zentral- und Westasien sowie nach Afrika ein, denkt aber auch schon weiter. 

Mehr Flexibilität in der Supply Chain

Seit 2011 gibt es eine direkte Zugverbindung zwischen Duisburg und mehreren chinesischen Metropolen, darunter Chongqing. Diesen Transportweg nutzt auch Rheinmetall Automotive seit drei Jahren, um Rohmaterial nach China und Fertigwaren gen Westen zu transportieren.

David Li, Logistik Manager im chinesischen Pierburg-Werk in Kunshan, erläutert, warum: „Der größte Vorteil beim Transport per Bahn ist für uns die gewonnene Flexibilität in der Steuerung unserer Bestände.“ Im Vergleich zum Transport per Schiff, der acht Wochen dauert, benötigt der Zug aus Duisburg höchstens fünf Wochen. „Besonders in China haben wir teilweise einen relativ starken Anstieg bei den Abrufen unserer Kunden. Deshalb ist es wichtig, schnell reagieren zu können und über eine flexible Supply Chain zu verfügen.“

Wöchentlich verlassen ein bis zwei Container den Duisburger Binnenhafen, in denen hauptsächlich Coils als Rohmaterial für Magnetventile zum chinesischen Werk transportiert werden. Hinzu kommen diverse Paletten mit anderen Komponenten auf der Route Hamburg – Wuhan. Das wirtschaftliche Potenzial, das besonders der Bahntransport bietet, zeigt sich auch darin, dass die Luftfracht mit zwei Wochen Transportzeit zeitaufwendiger ist, als man vermuten könnte. Pro Woche gehen heute 35 Züge auf ihre teilweise malerische Reise nach Chongqing. Ein schöner Nebeneffekt: Die Seidenstraße führt entlang einzigartiger Naturlandschaften, die bisher wenig bereist und erkundet worden sind.

Weitere Informationen

www.traceca-org.org