Rallye nach Wikinger-Art

Spektakuläre Stunts bei der Icelandic Formula Offroad

Den Isländern sagt man nach, ein raues Völkchen zu sein – schließlich stammen sie von den Wikingern ab. Entsprechend wild geht es auch bei der Icelandic Formula Offroad zu. Die Königsdisziplin des nach eigener Aussage „extremsten Motorsports der Welt“: Eine Fahrt über das Wasser.

Keine Rampe oder kein Hügel ist zu steil, kein Graben zu tief und keine Buckelpiste zu holprig für die mutigen Nordmänner am Steuer der 4x4-Offroad-Fahrzeuge. Ganz viel Gefühl ist gefragt, um im richtigen Moment auf dem rutschigen und unberechenbaren Untergrund das Gaspedal durchzudrücken, um den nötigen Schwung mitzunehmen und die Hindernisse auf dem abgesteckten Parcours zu überwinden. Dann gibt es Punkte – maximal 350 pro Track. Das Ganze natürlich noch mit einer möglichst guten Zeit. Auf die richtige Balance kommt es aber an, denn wer zu viel wagt und beispielsweise eine Markierung berührt oder überfährt, wird mit einem empfindlichen Punktabzug bestraft. Wer alles richtig macht, belohnt sich und die Zuschauer mit unglaublichen Stunts und dem ultimativen Adrenalinkick.

Aquaplaning erwünscht!

Eine der kniffligsten Hindernisse für die mutigen Skandinavier ist die Fahrt über Wasser. Und damit sind keine nassen Pisten gemeint, sondern tatsächlich kleine Gewässer. Das, was alle Autofahrer bei starkem Regen fürchten, ist hier der Schlüssel zum Erfolg: Aquaplaning. Es gilt, den Buggy so stark zu beschleunigen, dass die dicken Reifen genug Auftrieb generieren, um das Fahrzeug auf der Oberfläche zu halten. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber alles andere als leicht – denn ohne jeglichen Grip sind die kleinen Racer natürlich kaum zu kontrollieren. Manch mutiger Pilot kommt dann schonmal pitschnass ans Ufer getrottet, während sein Gefährt in den – zum Glück sehr flachen Gewässern – versinkt.

Ausgefeiltes Sicherheitskonzept

Die Fahrer testen eben gerne die Grenzen der Schwerkraft aus. Das geht manchmal gut, manchmal eben auch nicht. Dann purzeln die kleinen Buggys auch schon mal wie hilflose Käfer den ­Abhang hinunter. Doch so spektakulär die Formula Offroad auch ist – bisher gab es nur sehr wenige schwere Unfälle. Die Fahrer werden unter anderem durch einen Überrollkäfig, einen Integralhelm mit Nackenstütze, Fünf-Punkt-­Gurte, einen homologierten Schalensitz, schwer entflammbare Kleidung, spezielle Armschützer und andere Sicherheitsmaßnahmen bestens geschützt. Die Formula Offroad ist stolz darauf, dass es in über 50 Jahren keine einzige schwere Verletzung gab, die auf fehlende Sicherheits­maßnahmen am Auto zurückzuführen wäre.

Für den guten Zweck

So verrückt die Icelandic Formula Offroad heute auch erscheint – ihre Anfänge hatten einen ganz vernünftigen Zweck. Um Spendengelder zu bekommen, führten die isländischen Rettungs­dienste in den 1950er- und 1960er-Jahren ihre Fahrkünste mit Geländefahrzeugen der heimischen Bevölkerung vor. Das kam sehr gut an bei den Isländern. Aus der Leistungsschau ent­wickelte sich schnell eine Art Rallye-Wettkampf mit unterschiedlichen Teams und die Popularität wuchs weiter. Ein Regelwerk folgte und 1979 wurde die erste Meisterschaftsserie ausgetragen. Heute ist die Icelandic Formula Offroad in ganz Skandinavien populär und 2016 expandierte die Serie sogar in die USA.

Übrigens: Nicht nur als Fahrer, auch als Zuschauer braucht man Mut bei der Rallyeserie. Wenn sich die speziellen Reifen der 4x4-Buggys bei hoher Geschwindigkeit tief in den Dreck graben, fliegen den Fans schon einmal Erde und Matsch um die Ohren. Aber einen echten ­Wikinger kann sowas natürlich nicht erschüttern.