NEUE EVOLUTIONSSTUFE DER ENDMONTAGE

Innovative Produktion im Pierburg Werk Thionville

Mit ihren acht ABB-Robotern in ständiger Bewegung und ihren zwölf Kameras, die unter einem die Auflösung verbessernden Rotlicht arbeiten, ist sie schon ein echter Hingucker. Die neue Produktionslinie für Pumpen im Pierburg Werk in Thionville kann aber mehr, als nur gut auszusehen. Alle neun Sekunden verlässt ein fertiges Produkt die Anlage. Ihr Name „Flexline“ ist zudem Programm.

Flexibel ist die seit einem Jahr in Produktion befindliche Minifabrik gleich in mehrfacher Hinsicht. Sie kann neun verschiedene Produkte herstellen und benötigt dabei lediglich eine Umstellzeit von neun Minuten. Gleichzeitig ist sie aber auch in sich flexibel, weil sie aus einzelnen autonomen Bausteinen besteht, die im Vergleich zu bisherigen verketteten Anlagen schnell und unkompliziert neu zusammengestellt oder ergänzt werden können. Das prädestiniert die Flexline auch für die Endmontage anderer Produkte.

10 Millionen Pumpen jährlich

Keine andere Anlage im Werk, das jährlich rund zehn Millionen Pumpen verlassen, ist so schnell wie sie. Für Werksleiter Andreas Müller sieht so eine effektive Endmontage in einem Hochlohnland aus: „Das ist die erste Linie dieser Art in der Gruppe und man sieht uns intern ein bisschen als Vorreiter“. Hinzu kommt, dass auch die Qualität der auf der Flexline hergestellten Produkte keine Wünsche offenlässt. „Das Ganze“, erläutert er, „war Teil eines Investitionsprogramms, das schon unter meinem Vorgänger begonnen, von uns dann fortgeführt und vor gut einem Jahr abgeschlossen wurde.“

Öffentliche Förderung

Um die Region Moselle weiter zu stärken und einem Verlust von Arbeitsplätzen entgegenzuwirken, hatte der französische Staat Mittel zur Verfügung gestellt, um innovative Technologien in der Region zu unterstützen. Pierburg hatte selbst über 10 Mio. Euro in die Erneuerung verschiedener Produktionseinrichtungen im französischen Basse-Ham investiert und erhielt zusätzlich eine staatliche Unterstützung von 1,35 Mio. Euro. Damit einher geht eine fünfjährige Beschäftigungsgarantie für die 350 Pierburg Mitarbeiter. Neben der Zukunftssicherung der Beschäftigung sieht Philippe Wernoth, Finanzchef des Werkes, aber auch weitere Vorteile: „Das gesamte Förderprogramm hat auf uns aufmerksam gemacht. Einflussreiche Politiker wie Patrick Weiten, früherer Bürgermeister des benachbarten Yutz und heutiger Ratspräsident des Départements Moselle, haben uns besucht. Das trägt zu unserer Bekanntheit bei“.

Je nach Teilespezifikation schafft die neue Anlage 1,2 bis 2 Mio. Stück pro Jahr und benötigt dabei lediglich einen Bediener pro Schicht

Nach Abschluss des internen Investitionsprogramms sowie der staatlichen Strukturförderung, an der auch die Region Lothringen und das Département Moselle beteiligt waren, lief die Flexline im Januar des vergangenen Jahres an. Bereits nach wenigen Wochen, nämlich im März 2016, wurden auf ihr Serienteile produziert. Je nach Teilespezifikation schafft die neue Anlage 1,2 bis 2 Mio. Stück pro Jahr und benötigt dabei lediglich einen Bediener pro Schicht. Der sorgt für den reibungslosen Materialnachschub und nimmt am Schluss eine visuelle Endkontrolle der fertigen Teile vor. Ähnliche Produktionsanlagen des Werkes benötigen dagegen bis zu drei Bediener und das Material muss in einer vorgegebenen Position zugeführt werden. Das kostet Zeit und deshalb sind die Taktzeiten dort doppelt so hoch. Zudem benötigen Produktumstellungen Stunden. Bediener Didier Hauvuy hat sich deshalb auch sehr schnell und „fast natürlich“ bei dem neuen Konzept der Flexline zurechtgefunden. Die Vorteile aus seiner Sicht: „Ich bin gerne an einer Anlage nur für mich. Ich kann so in meinem eigenen Rhythmus arbeiten und wenn einmal etwas schiefgehen sollte, weiß ich, das war niemand anderes außer mir.“