Neuanfang mit 70 Jahren

Der Ford F-150 bekommt seinen ersten Dieselmotor

Er ist seit über 30 Jahren das meistverkaufte Auto in den USA. Seine Gesamtstückzahlen liegen im deutlich achtstelligen Bereich, obwohl er praktisch nur in Nordamerika angeboten wird. Zurzeit kommt die aktuelle Generation des Ford F-150 auf den Markt – und das erstmals auch mit einem Dieselmotor.

Die Geschichte des Ford F-150 klingt wie aus dem Märchenbuch für amerikanische Kinder. 1948 zum ersten Mal auf den Markt gekommen, hat der Pick-up in seinen mittlerweile zweistelligen Modellgenerationen die jüngste Geschichte der Vereinigten Staaten begleitet wie Wrigleys Kaugummi und Coca-Cola. Immer wieder angepasst an die aktuelle Automobiltechnik, ist das Fahrzeug als Urtyp des amerikanischen Fortbewegungs- und Transportmittels selbst Europäern aus zahlreichen Filmklassikern vertraut. Und das sogar in seinen früheren Design-Generationen.

Vom Rancher über den Handwerker bis zum Yuppie – alle greifen gerne zum „Truck of the Year 2018“

Der aktuell unter anderem von der Zeitschrift Motor Trend zum „Truck of the Year 2018“ gekürte Wagen spiegelt eine Mischung aus Familientransporter und Lastenträger wider. Er entspricht ganz der amerikanischen Lebensart und hat Fans über alle Gesellschaftsschichten hinweg. Egal ob Rancher in Ohio, Handwerker in Arkansas oder Yuppie in Kalifornien – alle greifen gerne zu diesem praktischen Pick-up, mit dem man je nach Bedarf problemlos Heuballen für das Pferd, Abflussrohre für die Baustelle oder auch nur Gartenabfälle sowie das eigene Motorrad transportieren kann.

Diesel mit ordentlich Power

Wenn im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine derartige Benziner-Ikone zusätzlich mit einem Dieselmotor ausgestattet wird, dann muss es ein ganz besonderer Diesel sein – in diesem Falle ein 3,0-Liter-V6 mit 250 PS. Mit seinen rund 600 Newtonmetern Drehmoment und einer maximalen Zuladung von knapp einer Tonne sowie einer Anhängelast von gut fünf Tonnen scheut er auch die unwegsamen Pfade des Rangers im Nationalpark oder den Hänger für das etwas größere Motorboot nicht.

Interessante Notiz: Der neue Lion-Dieselmotor für den F-150 entsteht im britischen Dagenham. Bei der Entwicklung haben die Ford-Spezialisten in Sachen Abgasrückführung auf Pierburg vertraut. Dabei erwies sich die internationale Aufstellung mit der Entwicklungszentrale in Neuss, dem Produktionswerk in Abadiano und dem nordamerikanischen Hub in Auburn Hills in direkter Nähe zur Ford-Zentrale in Dearborn als besonders hilfreich. Von Pierburg erhält der neue Diesel ein komplettes Modul zur gekühlten Abgasrückführung. Es besteht aus einem Doppelteller-AGR-Ventil, Bypass und Stahlkühler. Das doppelflutige Modul versorgt gleichzeitig beide Zylinderbänke. Als schwierig erwies sich im Laufe der insgesamt drei Jahre dauernden Entwicklung zunächst das Packaging des nicht gerade kleinen AGR-Kühlers.

Hinzu kam, dass Ford sehr hohe Anforderungen an die Kühlleistung des Moduls stellt. Hier sollte bei hohem Wärmeübertrag und geringem Druckverlust vor allem ein möglichst geringer Fouling-Faktor, der die Verschlechterung des Temperaturtransports im System über die Laufzeit anzeigt, erreicht werden. Ein insgesamt hoher Aufwand, der sich gelohnt hat, meint Program Manager Udo Rauschning, zumal die amerikanische Umweltbehörde verständlicherweise gerade beim Thema Diesel sehr genau hinschaut: „Der Motor erfüllt selbst die hohen Schadstoffnormen Kaliforniens und der Kunde ist von der Durchzugskraft und der Laufruhe begeistert.“ 

Im Baskenland gefertigt

AGR, Bypass und Stahlkühler des Moduls werden im baskischen Werk in Abadiano montiert. Hier betreut Ainhoa Barreiro Errasti das Projekt seit eineinhalb Jahren als zuständige Entwicklerin und Produktionsspezialistin. Das Projekt war auch für sie nicht alltäglich: „Im Laufe der Entwicklung haben wir den Kühler sowie den Bypass mehrfach geändert, um hier die richtige Funktionalität gewährleisten zu können. Wir müssen in der Produktion aufgrund der für uns noch relativ geringen Stückzahl die verwendeten Produktionsanlagen mehrfach pro Woche neu einrichten.“ Ein aus ihrer Sicht gutes Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit im Team. Das scheint auch beim Hersteller so angekommen zu sein, denn inzwischen konnte auch das Folgegeschäft ab 2021/22 gebucht werden. Und wer weiß, ob das gute Beispiel eines CO2-freundlichen, sauberen und durchzugsstarken Dieselmotors nicht auch bei weiteren amerikanischen Pick-ups Schule macht?