Komplexe Mobilität, smarte Lösungen

Apps helfen dabei, mobilen Herausforderungen zu begegnen

Die Revolution in der Mobilität kommt ins Rollen. Elektrische und hybride Antriebe gewinnen langsam, aber stetig an Popularität. Begleitet wird diese Entwicklung von einem immer größer werdenden Angebot an digitalen Verkehrsdienstleistungen.

In Großstädten auf der ganzen Welt gilt schon heute: Alles mit dem eigenen Auto erledigen – das war gestern. Parkplatzmangel, verstopfte Straßen und Smog bringen den motorisierten Individualverkehr an seine Grenzen. Viele Stadtbewohner verzichten deshalb auf das eigene Auto. Das zeigt sich zum Beispiel im unterschiedlichen Motorisierungsgrad von Stadt und Land: In Berlin gibt es rund 350 Autos pro 1.000 Einwohner; im Hohenlohekreis sind es dagegen fast 700. 

Der Trend in der urbanen Mobilität geht hin zur Kombination. Immer häufiger nutzen wir unterschiedliche Verkehrsmittel im Verlauf einer Fahrtstrecke. Das können Kraftfahrzeuge, öffentliche Verkehrsmittel oder auch ein E-Bike sein.

Die verschiedenen Transportmittel miteinander zu verzahnen, um möglichst effizient von A nach B zu kommen, ist dabei von entscheidender Bedeutung. Carsharing ist nur das bekannteste Beispiel für neue Services, die wir nutzen, um unser Ziel zu erreichen.

Volle Städte

Doch damit sind die Möglichkeiten digitaler Dienstleistungen noch lange nicht erschöpft. Für viele Herausforderungen der Mobilität gibt es heute Lösungen auf Smartphone und Co. Beispiel Parkraum: Parkplätze sind inzwischen nicht nur in Metropolen, sondern selbst in den Innenstadtbereichen kleinerer Orte Mangelware. Das ist kein Wunder, denn zum einen wächst die Anzahl der Kraftfahrzeuge in Deutschland weiterhin, zum anderen wird gerade in zentrumsnahen Lagen der wertvolle Bodenbesitz lieber für neue Wohn- und Gewerbegebäude als für Parkraum verwendet. Die Folge: Im Durchschnitt verbringt jeder Autofahrer in der Innenstadt mehr als 20 Minuten mit der Suche nach einem Abstellplatz für sein Fahrzeug. 

Portale wie beispielsweise Mobypark schaffen da Abhilfe. Die App erlaubt es Parkplatzbesitzern, wie Hotels, Unternehmen, Universitäten, aber auch Privatpersonen, ihre Parkplätze zur Verfügung zu stellen, wenn sie diese nicht selbst benötigen. Über Mobypark können Autofahrer diese Parkplätze – die normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind – im Voraus reservieren. Die Bedienung der App ist denkbar einfach: Lediglich den Tag und den gewünschten Zeitraum eintragen, auf einer Karte den Parkplatz aussuchen und direkt buchen. Oftmals sind diese Parkplätze sogar günstiger als vergleichbare öffentliche Parkhäuser. Mobypark ist vor allem in den Niederlanden und in Frankreich populär. Die App bietet beispielsweise in Paris je nach Verfügbarkeit über 1.000 Stellplätze an. 

Bevölkerungsarmes Land

Doch nicht nur in der Stadt, auch auf dem Land gibt es große Veränderungen bei den mobilen Rahmenbedingungen. Hier herrscht in der Regel keine Parkplatznot in den Ortszentren,  aber immer mehr kleinere Fachgeschäfte schließen; der Weg zur nächsten Einkaufsmöglichkeit ist oftmals nur noch mit dem Auto zu schaffen. Gerade für ältere Menschen, die sich im motorisierten Straßenverkehr nicht mehr sicher fühlen, werden so selbst einfache Besorgungen zu einer logistischen Herausforderung. Der ÖPNV ist nicht immer eine Alternative, denn gerade in dünn besiedelten Landstrichen ist das Angebot von Bus und Bahn aus Rentabilitätsgründen häufig stark eingeschränkt. 

Umstrittene Win-win-Situation

Eine Lösung kann hier das sogenannte Ridesharing bieten. Die Grundidee dahinter: In der Theorie gibt es trotz der mangelhaften ÖPNV-Abdeckung gar kein Problem bei den Beförderungskapazitäten. Denn auch auf dem Land sind ständig PKW zwischen allen nur erdenklichen Start- und Zielpunkten unterwegs – und meistens sitzt der Fahrer allein am Steuer. Also sind in der Regel drei Plätze im Fahrzeug unbesetzt. Die Herausforderung ist es nun, die Nachfrage und das Angebot zeitlich und räumlich zusammenzubringen. Und genau hier setzen Ridesharing-Apps wie Uber oder BlaBlaCar an, die Fahrer und Passagiere miteinander vernetzen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Fahrer bekommt zumindest einen Teil seiner Fahrtkosten ersetzt, während die mitgenommene Person relativ preisgünstig und komfortabel an ihren Zielort gelangt. Eine klassische Win-win-Situation, sollte man meinen.  Unumstritten sind diese Dienste – gerade in Deutschland – jedoch nicht. Insbesondere Uber stellt eine Konkurrenz für das etablierte Taxigewerbe dar, das hierzulande ohne Lizenz nicht betrieben werden darf. In vielen Fällen haben deutsche Gerichte bereits die Aktivitäten von Uber eingeschränkt. Ob sich Ridesharing daher in Deutschland durchsetzen wird, ist durchaus fraglich.

„Baby, you can drive my car“

Nicht nur Fahrten, sondern gleich das ganze eigene Auto bieten Plattformen wie CarUnity, Drivy und SnappCar an. Privatpersonen können hier ihren Wagen anderen Fahrern für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stellen. Diese Dienste stellen eine Alternative sowohl zu klassischen Autovermietungen als auch zu gewerblichen Carsharing-Anbietern dar. Der Vorteil liegt insbesondere in der großen geografischen Verbreitung, denn in fast jedem Ort gibt es jemanden, der gegen eine relativ geringe Gebühr sein eigenes Auto verleiht. Knifflig ist jedoch die rechtliche Lage. Die eigene Kfz-Haftpflicht- oder Kaskoversicherung zahlt in der Regel nicht, wenn ein Halter sein Fahrzeug einem im Versicherungsvertrag nicht vorgesehenen Fahrer überlässt.

Daher sind sogenannte On-Top-Versicherungen obligatorischer Teil des Vertrags zwischen der jeweiligen Plattform und dem Fahrzeugbesitzer. Diese Versicherungen bieten auch in Fällen der Weitervermietung vollen Schutz. Der Trend ist indes klar: Dem Einfallsreichtum bei der Entwicklung neuer Mobilitätsservices sind kaum Grenzen gesetzt. Einige Probleme, die die Veränderungen im Verkehrswesen mit sich bringen, scheinen mithilfe von Apps lösbar zu sein. Dabei geben technische Innovationen in der Mobilität selbst, aber auch in der Kommunikation den Takt vor. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise von digitalen Services und den zugrunde liegenden Technologien ist nötig, um den Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu begegnen

Anteil der Verkehrswege an der Verkehrsleistung