In allem ein bisschen weiter

Vor 50 Jahren brachte NSU den Ro 80 heraus

Er war schlichtweg der Wagen der Superlative. Die größte Limousine, die von der Marke NSU je auf den Markt gebracht wurde, im Verkaufspreis teurer als ein vergleichbarer Mercedes und einer der ersten Fronttriebler in seiner Klasse. Mit der von Claus Luthe entworfenen, damals überaus futuristischen Keilform und einem cw-Wert von 0,355 war seine Karosserie stilprägend für spätere Automobilgenerationen. Bis heute hat ihre Formensprache nicht an Aktualität eingebüßt.

Und mehr noch. Sein Wankelmotor mit 115 PS bei 5.500 Umdrehungen pro Minute und sein Drehmoment von 162 Nm hoben den Wagen grundsätzlich vom Wettbewerb ab. Er war dabei leise, laufruhig und drehfreudig und mischte die traditionellen Konstruktionen seiner Konkurrenten durch viele pfiffige Ideen nachhaltig auf; von -der Einzelradaufhängung über vier Scheibenbremsen bis hin zu einem schadstoffsenkenden „Reaktor“ mit Sekundärluftzufuhr. Vor 50 Jahren, am 6. Oktober 1967, startete in Neckarsulm die Produktion des NSU Ro 80. 

Vorsprung durch Technik

Das Fahrzeug avancierte unversehens zum bevorzugten Fortbewegungsmittel der technikorientierten Elite. Es prägte den noch heute von Audi verwendeten Slogan „Vorsprung durch Technik“ und wurde noch im selben Jahr als erster deutscher Wagen von 44 Journalisten aus zwölf Ländern zum „Auto des Jahres“ gewählt. Schon ein Jahr später erhielt es als erstes nicht-britisches Fahrzeug die Auszeichnung „Car of the Year“ der englischen Zeitschrift „Car Magazine“. Insgesamt 37.374 Exemplare des Typs wurden in den zehn Jahren seiner Bauzeit gefertigt. 

Dass sich der Ro 80 trotz seines hohen Basispreises von anfänglich 14.150 DM gut verkaufte, war kein Wunder. Eine geräumige, crashsichere und schnelle Reiselimousine mit guter Straßenlage und ausreichend Kofferraum für die ganze Familie. Der Zwei-Scheiben-Wankelmotor mit der Trochoide von KS und dem Solex-Fallstromvergaser vom Typ 18/32 HHD ermöglicht eine Endgeschwindigkeit von rund 180 km/h. Mit seinen knapp 1.000 Kubikzentimetern bringt er den Ro 80 in nur 12,8 Sekunden auf 100 km/h. Dank einer dreistufigen Selektiv-Automatik verfügt der Wagen über nur zwei Pedale. Sobald der Fahrer den Schaltknauf berührt, wird elektropneumatisch ausgekuppelt und beim Loslassen wieder eingekuppelt. In jeder der drei zur Verfügung stehenden Fahrstufen für Stadt – Landstraße – Autobahn kann das mit einem Wandler versehene Getriebe dabei anfahren. 

Besonderer Motorenklang

Beim Platznehmen in den bequemen Sitzen des Ro 80 fühlt man sich zwangsläufig um ein paar Jahre Automobilgeschichte zurückversetzt. Dennoch sind die gewählten Materialien, Farben und Formen ganz und gar nicht typisch für die ausgehenden Sixties und erscheinen beispielsweise mit dem kunstledernen Bezug des Armaturenbretts zumindest für Automobilisten mit etwas längerer Fahrerfahrung durchaus noch vertraut. Dabei entwickelt der Drehkolbenmotor schon auf den ersten Metern einen angenehmen Sound, der zudem leiser wird, je höher er dreht. „Ein Umstand, der dem Auto manchmal zum Verhängnis wurde“, wie Albert Keicher von Audi Tradition erläutert, während er seinen tadellos erhaltenen Wagen steuert, „weil viele Fahrer aus diesem Grund nicht realisiert haben, dass sie den Motor viel zu stark überdrehen.“ 

Die Laufruhe des Rotationskolbens, der sich in einer Kreisbahn bewegt und dabei die durch seine Mitte verlaufende Kurbelwelle über Zahnräder antreibt, macht einen Teil der Faszination des Wagens aus, der noch immer viele Liebhaber hat. Die beiden dreiecksförmigen Kolben vollziehen dabei in jeder Umdrehung innerhalb ihrer exzentrischen Kreisbahn das Viertaktprinzip Ansaugen, Verdichten, Verbrennen und Ausstoßen.

Obwohl aktuell noch in vielen ganz unterschiedlichen Antriebssystemen im Einsatz, hat sich das Wankelprinzip in der Welt des Automobils trotz seiner zahlreichen Vorteile nicht gegen die vorherrschenden Hubkolbenmotoren durchsetzen können. Für Keicher, der viele unterschiedliche Schätze aus der Firmenhistorie von NSU und Audi in seiner Obhut hat, bleibt das junggebliebene NSU-Flaggschiff aber dennoch etwas Besonderes: „Der Ro 80 war halt damals in allem schon ein bisschen weiter.“ 

Der Ro 80 im AUDI Forum Neckarsulm

Das Audi Forum widmet dem Ro 80 und dem Wankelmotor in diesem Herbst eine Jubliäums-Ausstellung mit dem Titel „60 Jahre Wankel und 50 Jahre Ro 80“.

www.audi.com/foren/de/audi-forum-neckarsulm.html