IM PORSCHE ZUM TRAUALTAR

Erfahrungen eines 944er-Fahrers

Mit der Transaxle-Baureihe führte der Stuttgarter Autobauer Porsche 1976 ein völlig neues Sportwagenkonzept ein. Ein vorn im Fahrzeug angeordneter Motor treibt über eine in einem starren Rohr verlaufende Antriebswelle das Getriebe auf der Hinterachse an. Dieses Packaging ermöglicht alltagstauglich neutrale Handling-Eigenschaften. Ein Konzept, das noch heute eine treue Fangemeinde hat, zu der auch der Düsseldorfer Matthias Dux zählt.

Er war der meistverkaufte Sportwagen der Welt und nur der Ölkrise ist es zu verdanken, dass er den Namen Porsche trägt. Der 924 war zunächst als Auftragsarbeit für Volkswagen entwickelt worden, wurde aber durch den Ölpreisschock von den Wolfsburgern noch vor Beginn der Produktionsvorbereitungen wieder gestoppt. Von Porsche übernommen und bis 1995 weiter verfolgt, entpuppte sich das Transaxle-Konzept mit weltweit fast 400.000 verkauften Fahrzeugen im Nachhinein als ein großer wirtschaftlicher Erfolg für die Zuffenhausener. Einen gehörigen Anteil an der Erfolgsstory der Transaxle-Fahrzeuge hatte die spätere Baureihe 944, die seit ihrer Markteinführung im September 1981 über 163.000 Käufer fand. Bei diesem Modell ist auch der heute bei Pierburg tätige Versuchsingenieur 2003 fündig geworden, nach doch immerhin einem halben Jahr engagierter Suche. Seinen 944 S2 aus dem Baujahr 1990 mit 3-Liter-Motor und 211 PS hatte der damals 23-jährige Düsseldorfer nach seiner Ausbildung zum Fluggerät-Mechaniker von einem Duisburger Kriminalbeamten erworben. Dieser war auf den größeren 928 umgestiegen und hatte den indischroten 944 davor teilweise sogar für verdeckte Ermittlungen eingesetzt. Davon zeugte bei dem ansonsten unverbastelten Fahrzeug zunächst noch eine Antennenweiche mit Anschlussmöglichkeit für ein Sprechfunkgerät.

200.000 auf dem Tacho

Da der Ermittler aber den nötigen Vertrauensbonus besaß, den Wagen zudem akribisch gepflegt hatte und die Fahrzeughistorie ebenso stimmte, störten den angehenden Studenten der Luft- und Raumfahrttechnik auch nicht die 200.000 Kilometer auf der Uhr des in Neckarsulm gebauten Sportwagens. „Mir war damals schon klar, dass das ein sehr robustes Motorenkonzept ist, das die Laufleistung auch gut wegsteckt.“

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Das hat sich in den vergangenen 13 Jahren bewahrheitet. „Es ist nie groß etwas am Motor gewesen, die Basis ist sehr solide.“ An zumindest einen für ihn zeitaufwändigen Eingriff erinnert er sich aber schon. Das Transaxle-Rohr musste zwischenzeitlich neu gelagert werden. Für Dux, der die Wartungsarbeiten an dem Fahrzeug als Moonlight-Mechanic fast ausschließlich selbst vornimmt, aber dennoch keine große Geschichte. „Was Arbeiten am Motor angeht, ist er zwar zugänglicher als der 911er, aber dennoch ist jeglicher Bauraum ausgenutzt.“ Laut Dux eine schöne Analogie zum Flugzeug, wo er ebenfalls manche Teile ausbauen musste, um an andere überhaupt erst ranzukommen. Den heute 36-Jährigen begeistert immer wieder die Liebe zum Detail der Porsche-Konstrukteure. Von der beim Öffnen des Tankdeckels herausstülpenden Schutzlasche, die auch an den Check des Ölstandes erinnert, bis zu der Kratzer verhindernden schrittweisen Schaltung der Scheibenreinigung.

Alltagstauglich und wertvoll

Mit seiner schon sprichwörtlichen Alltagstauglichkeit brachte ihn der 944 immer sicher nach Aachen zum Studienort, in den Urlaub und 2015 sogar vor den Traualtar. Hatte er den Porsche zunächst regelmäßig für die tägliche Fahrt zur Arbeit genutzt, so ist er da heute vorsichtiger. „Inzwischen schone ich den Wagen schon mehr, weil ich merke, der Kurzstreckenverkehr tut ihm nicht gut.“ Hinzu kommt, dass sich der Wert des Sportlers seit dem Kauf mehr als verdoppelt hat. Auch von den Unterhaltskosten konnte sich Dux den 944 schon während seines Studiums erlauben. Dabei halfen nicht nur seine Ferienjobs und eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft an der Uni: Der Wagen ließ sich sogar noch auf die schärfere Abgasnorm EURO II umschlüsseln, weil er bereits bei der Erstzulassung die damaligen Emissionsanforderungen übertroffen hatte. Das sparte schon mal Steuern. Hinzu kommt ein für ein derartiges Fahrzeug moderater Verbrauch zwischen neun und gut elf Litern. Auch daran zeigt sich für den begeisterten Schrauber insgesamt die Fortschrittlichkeit des Motorenkonzeptes.

3 LITER HUBRAUM, 16 V, ZWEI OBENLIEGENDE NOCKENWELLEN

Ungezähmte Fahrfreude

Der Versuchsingenieur mag an seinem Youngtimer, dass man noch ein absolut reines, ursprüngliches Fahrgefühl hat und keine Bevormundung des Fahrers in Form von Assistenzsystemen stattfindet, die dann irgendwann eingreifen oder Alarm geben. „Das ist noch Fahren pur. Auch von der Motorcharakteristik und wie die Leistung entfaltet wird. Zwar ist der 944 vollständig elektronisch geregelt, aber nicht so gezähmt, wie ein Motor heutzutage abgestimmt wird.“ Was ursprünglich als praktischer und entspannender Gegenpol zum theoretischen Studium gedacht war, geht nun schon seit 13 Jahren und 85.000 Kilometern gut und so manche „gemeinsame Tour“ wird sicher noch folgen.