Ikonen in Schwarz

Modernste Technik im Retro-Look

Sie sind Wahrzeichen der britischen Hauptstadt, wie Tower Bridge, Big Ben oder die roten Doppeldeckerbusse: die charakteristischen „Black Cabs“. Einheimische und Touristen nutzen dieses Transportmittel 300.000 Mal pro Tag, um im Straßengewirr der pulsierenden Metropole ans Ziel zu kommen. Hersteller ist LEVC – ein Unternehmen, das nur Taxis produziert. Demnächst sogar ein Modell mit Elektroantrieb.

Rund 20.000 der rollenden Klassiker sind derzeit in London unterwegs. Nicht nur das aktuelle Modell TX4, sondern auch viele ältere Versionen – ein Zeichen für das robuste Design, das die Londoner Taxis auszeichnet. Die schwarzen „Cabs“ wirken mit ihrem markanten Kühlergrill, den runden Frontscheinwerfern und der spitz zulaufenden Schnauze etwas aus der Zeit gefallen. Deutlich ist im Design das Erbgut des berühmten Ahnen zu erkennen – die Rede ist vom Austin FX4, der optisch beinahe unverändert von 1958 bis 1997 gebaut wurde. Gerade das ist aber ein Grund, warum die traditionsbewussten Engländer ihre Taxis auch heute noch so lieben. Dem Retro-Look zum Trotz verbaut die London Electric Vehicle Company (LEVC), die bis Juli 2017 als London Taxi Company firmierte, moderne Technik. Kein Wunder – schließlich ist die aktuelle Generation der „Black Cabs“ eine Neuentwicklung von 2007, die beständig weiterentwickelt wird. 

Wendiger als ein Polo

Die Stärke des Konzeptes liegt in den Details. Von Anfang an wurde das Fahrzeug als Taxi konzipiert, was sich in vielen einmaligen Designmerkmalen manifestiert. Da wäre zum Beispiel der kleine Wendekreis: Nur rund acht Meter benötigt das „Black Cab“, um auf der Straße zu wenden; das sind zwei Meter weniger als beim aktuellen VW Polo. 

Viel Komfort 

Serienmäßig finden fünf Personen im abgetrennten Passagierabteil Platz. Der Beifahrerbereich – in Großbritannien natürlich auf der linken Seite – ist hingegen ohne Sitz. Hier wird das Gepäck der Passagiere verstaut. Vorbildlich ist der Wagen in Sachen Komfort für alte Menschen und Behinderte: Dazu gehören ein Sitz, der bei offener Tür in Richtung Bürgersteig herausgeklappt werden kann, sowie eine serien-mäßige Rollstuhlrampe. Doch nicht nur an die Passagiere, auch an den Fahrer hat LEVC gedacht. Das Taxi verfügt über ein besonderes Sicherheitsmerkmal: Solange der Fahrer die Bremse tritt, lassen sich die Fond-Türen nicht öffnen. Damit ist es unmöglich zu verschwinden, ohne zu bezahlen.

Emissionsfreie Zukunft

Bei LEVC weiß man bei aller Tradition, wie wichtig es ist, mit der Zeit zu gehen. Die nächste Generation der Taxis, der TX5, wird deshalb elektrisch angetrieben. Zum einen folgt LEVC damit dem grundsätzlichen Trend hin zur Nachhaltigkeit. Zum anderen gibt es im Fall von London auch einen ganz besonderen Grund: Fast das gesamte Stadtgebiet ist seit 2008 eine „Low Emission Zone“, in der bereits heute strenge Bedingungen für den Betrieb von Fahrzeugen gelten. 2020 wird der Innenstadtbereich, der von der Victoria Station im Westen bis zur Tower Bridge im Osten reicht, sogar zur „Ultra Low Emission Zone“ mit noch höheren Anforderungen an die Emissionsfreiheit erklärt.

Ab 2018 werden keine Taxis mit Dieselantrieb mehr lizenziert

Das hat für die Taxibranche bereits im kommenden Jahr massive Auswirkungen: Ab dem 1. Januar 2018 werden in London keine Taxis mit Dieselantrieb mehr lizenziert. Die Fahrzeuge müssen in der Lage sein, mindestens 48 Kilometer am Stück emissionsfrei zurückzulegen. Insgesamt dürfen sie maximal 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.

Revolution unter der Haube

Genau diese Anforderungen erfüllt der TX5. Der E-Motor des LEVC-Schwesterunternehmens Volvo ist vom Twin-Engine-T8-Modell abgeleitet, das bereits im Volvo XC90 seinen Dienst verrichtet. Die genaue Leistung ist noch nicht bekannt, aber sie reicht aus, um den TX5 auf 130 km/h zu beschleunigen. Die Lithium-Ionen-Batterie erlaubt eine rein elektrische Fahrt von über 160 Kilometern. Kommt der Akku an seine Grenzen, springt ein Drei-Zylinder-Range-Extender ein. Mit dem 82-PS-Benziner von Volvo erhöht sich die Reichweite auf mehr als 640 Kilometer. Rheinmetall Automotive liefert mehrere Komponenten für diese Fahrzeuge. Über Details und technische Hintergründe berichten wir ausführlich in unserer nächsten Ausgabe.

Erstes reines E-Auto-Werk in Europa

Der Stromer kommt aus einer brandneuen Fabrik in Ansty nahe Coventry, die im März 2017 den Betrieb aufgenommen hat. Das Werk ist nicht nur die erste neue Autofabrik in Großbritannien seit rund zehn Jahren, sondern auch die erste in Europa, in der nur Elektrofahrzeuge gebaut werden. Der Mutterkonzern von LEVC, die chinesische Geely-Gruppe, hat dafür über 300 Millionen Pfund in den Midlands investiert. Die Kapazität des Werks liegt bei mehr als 20.000 Fahrzeugen im Jahr, über 1.000 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Für Ende 2017 ist der Marktstart des TX5 in Großbritannien geplant, 2018 im Rest der Welt. Doch während beim Innenleben neue Wege eingeschlagen werden, sind die optischen Änderungen moderat. Ein „Black Cab“ soll eben auch in Zukunft ein „Black Cab“ bleiben!

Wie bekomme ich die „Green Badge“?

Nicht jeder kann in London eine der begehrten Taxi-Lizenzen, die sogenannte Green Badge, bekommen. Die Anforderungen an Bewerber sind mit die strengsten der Welt.

Mindestalter: Ein Bewerber muss mindestens 21 Jahre alt sein. Ein Maximalalter ist hingegen nicht festgelegt.

Charakter: Jeder Bewerber muss eventuelle Vorstrafen angeben, je nach Schwere des Delikts schließt das eine Eignung als Taxifahrer aus. Falls er etwas verschweigt, wird er sofort vom Bewerbungsverfahren ausgeschlossen. Mentale und körperliche

Gesundheit: Der Bewerber darf beispielsweise nicht an Herzkrankheiten, psychischen Störungen oder Nervenkrankheiten leiden.

„The Knowledge“: Die größte Hürde ist es, diesen Test zu bestehen. Dazu muss ein Bewerber sein Wissen über 320 Routen in einem Sechs-Meilen-Radius rund um Charing Cross beweisen. Diese umfassen rund 25.000 Straßen und 20.000 markante Punkte. Die meisten Fahrer benötigen zwischen zwei und vier Jahren Vorbereitung bis zur erfolgreichen Prüfung.