E-Mobility per Gesetz

Die weltweite Autobranche schaut auf China

China wird zum globalen Leitmarkt für elektrisch betriebene Fahrzeuge. Die Regierung in Peking setzt dabei auf ambitionierte gesetzliche Quoten, massive Förderung und den konsequenten Ausbau der Infrastruktur, um der E-Mobilität im Land zum endgültigen Durchbruch zu verhelfen.

Bereits heute ist – gemessen an den absoluten Zahlen – das Reich der Mitte der wichtigste Markt für Fahrzeuge mit neuen Antriebsformen, sogenannte New Energy Vehicles (NEV). Die Regierung in Peking versteht darunter E-Autos, Plug-in-Hybride und Brennstoffzellen-Autos, wobei Letztere derzeit (noch) keine Rolle spielen.

NEV auf der Überholspur

417.000 E-Autos wurden 2016 in China produziert. Deutschland liegt mit rund 200.000 Fahrzeugen auf Platz zwei, die USA mit 148.000 auf Rang drei. Noch viel deutlicher ist China bei den Zulassungen vorne: 409.000 reine E-Fahrzeuge plus 98.000 Plug-in-Hybrid-Modelle wurden im vergangenen Jahr in China verkauft, davon 336.000 Pkw und 171.000 Nutzfahrzeuge. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum gerade einmal 11.410 reine Elektroautos und 13.744 Plug-in-Hybride. 

Von den 171.000 Nutzfahrzeugen sind alleine 115.000 elektrisch angetriebene Busse, ein Beispiel für die von oben verordnete „E-volution“ in China. Denn immer mehr öffentliche Verkehrsbetriebe rüsten ihren Fuhrpark auf emissionsfreie Fahrzeuge um. Damit folgen sie der Linie der Parteiführung in Peking, die dringenden Handlungsbedarf in den urbanen Zentren erkannt hat: Viele Megacities leiden unter der hohen Abgasbelastung; die Umstellung auf E-Busse ist ein effizientes Mittel, um die Luftqualität zu verbessern. 

Incentives und Infrastruktur

Auch bei den Pkw greift der Staat lenkend ein. Zum einen wird der Kauf von E-Autos und Plug-in-Hybriden finanziell auf vielfältige Art und Weise gefördert, zum anderen bekommen Fahrzeuge mit alternativem Antrieb in den Ballungsräumen viel schneller eine der begehrten Zulassungen. Last, but not least baut China das Netz an Ladesäulen zügig aus. Neue Gebäude müssen künftig immer über Ladestationen für Elektrofahrzeuge verfügen. Zehn Prozent der bereits bestehenden Parkplätze werden nachträglich für das elektrische Aufladen umgerüstet. So sollen bis 2020 nicht weniger als 4,8 Millionen Ladestationen in der Volksrepublik entstehen. 

Der Anteil von E-Autos wird in Zukunft noch deutlich weiter ansteigen. Die Zentralregierung hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: 2020 sollen zwei Millionen NEV in China gebaut werden, bis 2025 sollen bereits 15 bis 20 Prozent der verkauften Neuwagen E-Fahrzeuge oder Plug-in-Hybride sein. Bis 2030 soll der Anteil sogar auf 40 bis 50 Prozent steigen. Dass Peking Ernst macht mit seinem Plan, daran kann es keinen Zweifel geben. Der erste große Schritt kommt – so sieht es zumindest derzeit aus – schon 2018: Im Juni 2017 verabschiedete die Zentralregierung ein Gesetz, das Autobauer ab dem kommenden Jahr verpflichtet, dass acht Prozent ihrer verkauften Fahrzeuge rein elektrisch fahren oder Plug-in-Hybride sein müssen. Diese Regel gilt für alle Hersteller mit einem Produktionsvolumen von mehr als 50.000 Einheiten pro Jahr. Trotz politischer Gegenwehr aus Deutschland hält Peking an diesem Gesetz fest.

Die staatlichen Maßnahmen betreffen auch die Struktur der Industrie. Neue Fahrzeughersteller bekommen nach einem Beschluss des Staatsrates vom Oktober 2016 nur dann problemlos eine Zulassung, wenn sie in der Lage sind, Elektrofahrzeuge zu produzieren. Diese Produktionslizenzen gelten nur für NEV und werden im beschleunigten Verfahren erteilt. Im Mai 2017 wurde beispielsweise einem Joint Venture zwischen VW und der Anhui Jianghuai Automobile Company eine solche Lizenz erteilt.

Rheinmetall Automotive optimistisch

„Das umfangreiche Maßnahmenbündel der chinesischen Regierung wird in Verbindung mit neuen Angebotsformen den Markt für Elektrofahrzeuge weiter befeuern und die Vorreiterrolle Chinas als wichtigsten Automobilmarkt der Welt weiter untermauern“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Horst Binnig von Rheinmetall Automotive. Die Neckarsulmer sehen sich angesichts dieser veränderten Rahmenbedingungen derweil gut gerüstet. Das Unternehmen ist seit über 20 Jahren vor Ort und erwirtschaftet mittlerweile mit 5.000 Beschäftigten einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro. Rheinmetall Automotive ist mit insgesamt zehn Unternehmen in China vertreten: drei 50 : 50-Joint-Ventures, zwei Mehrheits-Joint-Ventures sowie vier hundertprozentige Tochtergesellschaften und ein Minderheits-Joint-Venture für Kolbenringe. 

Von elektrifizierten Komponenten für Hybridantriebe, beispielsweise regelbaren Nebenaggregaten oder Pumpen, über den Bereich Leichtbau bis hin zu Produkten für reine Elektromobile erstreckt sich die Produktpalette von Rheinmetall Automotive. Dazu zählen auch Batterieträger für Elektrofahrzeuge oder Spezialgehäuse für komplette Elektromotoren, die von Rheinmetall Automotive künftig vor Ort speziell für den chinesischen Markt gefertigt werden. Auch der Range Extender REx und die neue Wärmepumpe bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten in Elektrofahrzeugen.

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